Autismus und Lerntherapie nach ABA – Teil III

Link zu Teil I
Link zu Teil II

Da ich, wie gesagt, in meiner eigenen Vergangenheit im Grunde artverwandte Erfahrungen gemacht habe, glaube ich ziemlich sicher, das Leiden eines Kindes, dass mit ABA therapiert wird, reell einschätzen zu können. Dem Kind fehlt hier ja leider jegliche Ausdrucksmöglichkeit, da die Art seine Not zu signalisieren unter das unerwünschte, autistische Verhalten fällt, was vom Kind um jeden Preis unterdrückt werden soll.

Die Lernerziehung in meiner eigenen Kindheit hat jedenfalls über sämtliche Jahre die Wochenarbeitszeit eines erwachsenen Menschen haushoch übertroffen. In der verbliebenen Zeit war es kontinuierlich um Verhaltensanpassung, sowie einer steten sozialen Interaktion mit den furchtbaren Heimerziehern und vor allem den vielen Kindern gegangen. Es gab in der Einrichtung keinerlei Rückzugsmöglichkeiten. Die einzige Auszeit beschränkte sich lediglich auf die dortigen Nachtstunden. Und was hat diese, angeblich so anpassungs- und leistungsfördernde, disziplinarische und lückenlos kontrollierte „Erziehung“ eingebracht – ABSOLUT NICHTS! – Sondern das genaue Gegenteil, von dem was sie erreichen sollte!

Denn jegliche Lerninhalte, sowie Verhaltensmaßregelungen, die mir unter den zuvor genannten Umständen aufgezwungen wurden, waren bereits kurz nach meiner Heimentlassung vollständig aus dem Gedächtnis gelöscht. Im weiteren sind gravierende Ängste vor der möglichen Erwartungshaltung anderer Menschen, was Leistung und Anpassung betrifft, noch immer vorhanden. Im Übrigen dürfte es vor allem kein allzu großes Rätsel sein, womit autistische Menschen nach solch einer Biografie, einen Teil ihrer Freizeit verbringen. Was einst gezielt entzogen wurde, hat bei mir teilweise noch immer einen immensen Stellenwert.

Als Kind im „Vollzeitjob“ und als Erwachsene in der Frühverrentung und damit bin ich kein Einzelfall. Als es seinerzeit um die Frage gegangen war, was ich mir arbeitsmäßig vorstellen könnte, erwähnte ich lediglich die Lebenshilfe Werkstatt, weil dort eine Überforderung definitiv ausgeschlossen sein würde.

Bei allem, was man überlegt, bei anderen Menschen an nicht lebensnotwendigem anzuwenden, sollte man sich vorher unbedingt fragen, ob man es selbst in dieser Form ebenfalls tatsächlich ertragen könnte. Also zum Beispiel die 30 bis 40 Stundenwoche ABA, oder auch sämtliche, andere dominante und derart einschränkende Erziehungsmuster. Ich denke, dass möchte in der Tat wohl niemand selbst erdulden müssen. Dazu zählen ferner natürlich jegliche körperliche Bestrafungen, psychische Erniedrigungen, das negative Vergleichen und Bewerten, sowie auf ein altersgerechtes Verhalten hin zu drangsalieren.

Gerade Menschen mit Autismus sind überaus sensibel und haben ein exzellentes Erinnerungsvermögen für jegliche Erfahrungen ihres Lebens, positiv, sowohl auch negativ und nichts davon wird jemals wieder in Vergessenheit geraten, so sehr man sich später auch darum zu bemühen versucht. Das heißt, wer das zuvor genannte einst ertragen musste, wird es Zeit seines Lebens, womöglich kaum verarbeiten können, da die hierfür notwendigen Ressourcen bei Menschen mit Autismus, oftmals nur sehr eingeschränkt vorhanden sind. Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen.

Daher ist es im Erwachsenenalter für die davon Betroffenen vor allem ganz besonders wichtig, für möglichst viele Annehmlichkeiten im eigenen Alltag zu sorgen, um trotz einer solchen Vergangenheit, ein weitgehend zufriedenstellendes Leben führen zu können.

Als besonders Erfolgs-versprechende Voraussetzung gilt beim ABA Lerntherapie Konzept, eine im Vorfeld intensive Beziehungsarbeit mit dem autistischen Kind, um es vollständig von sich abhängig zu machen, mit dem Ziel, die angestrebte Anpassung an die Normalität auch effektiv erreichen zu können.

Dem Kind soll unmissverständlich klar gemacht werden, dass man es rund um die Uhr, uneingeschränkt kontrollierend, beherrschen wird, inklusive eines permanenten Befehlstones. – Und all das dient letztendlich dazu, um selbst Kinder mit einer schweren Form von Autismus, im Rahmen der Inklusion, für den Regelschulalltag tauglich zu erklären!

Doch wer sein Kind wirklich ins Herz geschlossen hat und es mit allen Stärken und Schwächen so annimmt wie es ist, schafft sich eine solch elementare Bindung aus Liebe zu seinem Kind und um seiner selbst willen und nicht als Mittel zum Zweck für zweifelhafte Therapie- und Lernerfolge!

Im weiteren geht es nach heutigen pädagogischen Grundsätzen nicht nur um eine liebevolle Beziehung zum Kind, sondern auch um die Unterstützung im Loslösungsprozess von den Eltern. Doch hier geschieht das genaue Gegenteil und zwar aus purem Eigennutz und nicht aus Liebe zum Kind, wie es eigentlich sein sollte!

Auch von daher halte ich diese ABArtige Behandlungsmethode nicht für fortschrittlich, sondern betrachte es als Rückschritt auf ganzer Linie, mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen für den Rest des Lebens!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s