Therapieantrag – ein vorläufiger Erfahrungsbericht (Teil 1)

Herbst 2013. „Eine Therapie würde dir gut tun.“ Therapie. Diesmal sollte alles anders werden. Diesmal nämlich ging es um eine Therapie im Autismus-Therapie-Zentrum (ATZ). Zum ersten Mal in meinem Leben würde ich dort auf Therapeuten treffen, die sich mit Autismus auskennen, von denen ich mir Verständnis und produktive Hilfestellungen erhoffen konnte. Therapeuten, die nicht zum Ziel hatten, mir eine „schwierige Kindheit“ und Erziehungsfehler meiner Mutter als Ursache aller meiner Probleme einzureden. Die mir nicht Verbohrtheit und Renitenz unterstellen würden, ohne zu begründen, warum sie mich so wahrnehmen. Die Antidepressiva und Sedativa nicht für die Mittel der Wahl hielten. Die mir zuhören würden, mich ernstnehmen würden und mich in meiner Lebensbewältigung unterstützen könnten.
Ja, so eine Therapie würde mir bestimmt gut tun.

Winter 2013. Für den 20.12. bekam ich einen Termin im ATZ, um ein Vorgespräch zur Therapie zu führen. Mit etwas Glück hätte ich dann im Frühjahr/Sommer 2014 bereits therapeutische Unterstützung während ich meine Abschlussarbeit schreibe! Die würde ich dann auch dringend brauchen!
Die Psychologin erklärt mir das weitere Prozedere: Sie würde nach unserem Gespräch ein Gutachten verfassen und das ATZ würde damit die Therapie bei den Kostenträgern beantragen. Zunächst müsse man die Krankenkasse anschreiben mit Bitte um Kostenübernahme, die würde jedoch definitiv ablehnen und sich als nicht zuständig bezeichnen. Man brauche diese Ablehnung aber zwingend, um den Antrag bei den anderen Kostenträgern stellen zu dürfen. Die verbleibenden Kostenträger wären dann die Stadt und der Landschaftsverband. Wer von beiden schlussendlich die Therapie übernehmen würde, sei von Fall zu Fall verschieden, aber in der Regel würde das der Landschaftsverband tun, nachdem die Stadt den Antrag durchgesehen und dorthin weitergeleitet hätte.
Super! Beim Landschaftsverband liegen schon alle erforderlichen Daten von mir vor, da er auch das ambulant betreute Wohnen finanziert. Damit würde ich keinen zusätzlichen Papierkram haben und die Sache könnte schnell über die Bühne gehen.

Frühjahr 2014. Ich bekomme Post von meiner Krankenkasse: Kostenübernahme für die Therapie abgelehnt. Alles läuft also nach Plan.

Die Kopie des Gutachtens wird mir vom ATZ zur Kenntnisnahme zugeschickt. 3 dichtbedruckte Seiten, die mein Versagen dokumentieren. Harter Tobak. Prognose: Schlecht. Probleme, VIELE Probleme. „Zeigt Reaktivität auf die meisten sozialen Situationen, wirkt aber dabei eingeschränkt, sozial unbeholfen und teilweise abweisend“, „Reizüberflutung“, „Stresssymptome“, „sozio-emotionale Entwicklung auf deutlich niedrigerem Niveau“, „Theory of Mind Defizit“, „deutliche psychische Belastung“, „autismusspezifische begleitende Therapie sinnvoll und notwendig“, und vieles mehr steht dort.

Nun gut, was sein muss, muss sein. Vielleicht hat man mich absichtlich so schlecht dargestellt damit die Therapie durchgeht? Ich versuche einfach mal, das zu glauben. Trotzdem bin ich tagelang deprimiert darüber, wie andere Menschen mich anscheinend wahrnehmen. Sobald ich in Therapie bin, steht das Thema Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung ganz oben auf der Liste!

Teil 2
Teil 3

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