Abenteuer Großveranstaltung

Unsere Stadt feiert dieses Jahr ein rundes Jubiläum. Deswegen sollte es jetzt ein riesiges Straßenfest geben, eine richtige Großveranstaltung, die sich über mehrere Straßenzüge zieht. Jede Menge Straßen rund um die Innenstadt wurden gesperrt, sämtliche Busse bereits Tage vorher weit umgeleitet und überall Zelte, Stände, Fahrgeschäfte und Bühnen aufgebaut. Fünf Tage lang sollte die Stadt im Ausnahmezustand sein.
War ich froh, dass ich davon bereits im Internet gelesen hatte. Immerhin bedeuten besonders die Busumleitungen eine große Umstellung. Eigentlich freute ich mich sogar auf dieses Ereignis. Auf das Fest selbst wollte ich nach Möglichkeit nicht gehen, da war mir zu viel los.
Aber endlich bekam unsere Stadt auch mal etwas (meiner Meinung nach verdiente) Aufmerksamkeit. Und die Stadtbibliothek lockte mit längeren Öffnungszeiten. Im Fernsehen erfuhr ich, dass es sogar noch eine historische Kirmes geben sollte. Das war doch was für mich! Vielleicht könnte ich ja da mal kurz vorbeischauen?

Da die Umleitungen bereits zwei Tage vor diesem Ereignis begannen, konnte ich mich in aller Ruhe daran gewöhnen. Trotzdem war es etwas unangenehm, weil der Bus über die Stadtautobahn umgeleitet wurde. Sehr gewöhnungsbedürftig…
Ich brauchte etwas, dann hatte ich das neue Bussystem drauf: neue Haltestellen, neue Abfahrtszeiten. Zur Not hatte ich immer einen Flyer dabei, in dem noch einmal alles stand. Und zur Sicherheit hatte ich den Flyer auch noch aus PDF-Datei auf dem Handy. Unser Bus- und Bahnunternehmen hatte wirklich gut vorgesorgt, zumindest was die Informationspolitik im Internet anging.

Dann kam der erste Tag des Stadtfestes. Zur Stadtbibliothek musste ich ein paar hundert Meter am Rande des Veranstaltungsgeländes lang. Das ist doch bestimmt zu schaffen, dachte ich und marschierte los. Es war ein Alptraum! Überall Familien mit lauten Kindern, von gefühlt jedem Stand aus sprach jemand mit Mikrofon über Lautsprecher und das Gedränge und vor lauter Zelten war kaum ein Durchkommen auf die andere Straßenseite! Das alles war kaum auszuhalten für mich. Ich war tatsächlich nur wenige Meter am Rande des Festgeländes lang gegangen und schon total durch mit den Nerven. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!
Abends dann die nächste Herausforderung: Ich musste irgendwie nach Hause. Ich beschloss, dieses Mal die Bahn zu nehmen. Die fährt in diesem Gebiet unterirdisch und war somit nicht von den Umleitungen betroffen. Schnell hatte ich mir die kürzeste Route in Gedanken zurechtgelegt. Dieses Mal musste ich mehrere Meter direkt über das Veranstaltungsgelände. Für den Fall, dass ich gut voran kam, plante ich noch einen kleinen Umweg zum Asiaten ein, ich hatte ziemlichen Hunger und wollte mir dort etwas mitnehmen.
Kaum hatte ich das Veranstaltungsgelände betreten, war alles um mich herum voller Leute. Stände, riesige Einsatzfahrzeuge und andere Aufbauten versperrten mir den Blick auf meine üblichen Orientierungspunkte. Überall um mich herum war Lärm, nicht weit von mir entfernt war eine große Bühne, auf der gerade Programm war. Ich bewegte mich einfach vorwärts, um irgendwie aus diesem Chaos zu entkommen. So verpasste ich die Treppe zur Bahn. Wie sollte ich die auch ohne meine Orientierungspunkte finden? Ich wusste zwar, in welcher Straße ich war, aber nicht mehr auf welcher Höhe. Zum Glück war der nächste Eingang zum Untergrund viel besser zu sehen. Und da das genau neben dem Asiaten war, holte ich mir schnell noch etwas dort. Ich fühlte mich nämlich nicht mehr groß in der Lage, mir zu Hause selbst etwas zu essen machen. Das Tagesergebnis: Meine Nerven lagen blank und ich hatte rasende Kopfschmerzen.

Am zweiten Tag wählte ich eine andere Route zur Stadtbibliothek. Das ersparte mir sehr viel Stress. Außerdem war ich am Vortag früher ins Bett gegangen, um mich so gut wie möglich zu erholen. Das alles half mir sehr.
Für den Rückweg hatte ich mir eine andere Haltestelle ausgesucht, die nicht so im Zentrum des Festes lag. Allerdings hatte unser Verkehrsunternehmen gerade erst im Internet verkündet, dass es ausgerechnet auf meiner Bahnlinie wegen einer Demonstration zu deutlichen Verzögerungen kommen sollte. Das waren vielleicht Aussichten…
Ich musste dieses Mal über einen abgelegeneren Teil des Festgeländes, dabei würde ich auch an der historischen Kirmes vorbeikommen. Vielleicht konnte ich ja einen Abstecher wagen? Aber es kam alles wieder ganz anders.
Kaum machte ich mich auf den Weg, fing es wie verrückt an zu regnen. Ich wollte möglichst schnell über den Platz und dann zwischen zwei Gebäuden durch. Genau dieser Weg war aber ohne ersichtlichen Grund gesperrt! Zum Glück hatte mich neulich jemand an einer anderen Seite des Platzes abgesetzt, so dass ich noch einen Durchgang kannte. Ansonsten hätte ich den Durchgang nehmen müssen, den ich gestern genommen hatte, und wäre wieder auf dem Hauptgelände des Festes gelandet.
Es reichte nur für einen kurzen Blick auf die historische Kirmes. Es regnete so stark, dass ich nur noch zur Haltestelle wollte. Als ich dort ankam, war ich nass bis auf die Knochen, wie man so schön sagt. Zum Glück waren die Kopfschmerzen, die ich zu Hause bekam, nicht so schlimm wie die vom Vortag.

Was ist nun mein Fazit von dem ganzen? An sich war dieses riesige Fest eigentlich eine tolle Veranstaltung. Ich hätte mir gerne einiges angeschaut, besonders die historische Kirmes. Aber ich fürchte, für so etwas bin ich einfach nicht gemacht. Leider ist es auch keine Frage das Zusammenreißens, das hab ich ja die ganze Zeit wie verrückt getan. Wenigstens bin ich jetzt um eine Erfahrung reicher. Und dank des Festes konnte ich auch mal an einem Sonntag in die Stadtbibliothek, da war es richtig schön leer! Trotzdem bin ich froh, dass das ein einmaliges Ereignis war.

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