Heilung in Sicht?

Heute beim Allgemeinmediziner.

Ärztin: „Sagen Sie mal, das mit Ihrem Autismus macht Ihnen zur Zeit keine Probleme, oder, das hat sich verbessert?“

Ich (konnte es mir nicht verkneifen): „Ja, stimmt, ich bin inzwischen geheilt.“

Danach habe ich aber noch eine vernünftigere Antwort gegeben. Die Ärztin war grundsätzlich interessiert, und hat dann auch weiter nachgefragt. Sie hat einfach keinerlei Erfahrung mit Autismus und tatsächlich wohl eher das klassische „Rainman“-Bild im Kopf („Sie können ja normal mit mir reden“).

Ich vermute auch, ich komme „besser“ rüber, weil ich mich langsam an sie gewöhne und damit besser mit ihr kommuniziere als am Anfang, wo ich sie kennenlernte (?)

Mit dieser kleinen Episode zeigt sich für mich wieder, dass es tatsächlich sinnvoll ist, meine Diagnose nur dann offenzulegen, wenn es absolut notwendig ist (war es bei der Ärztin vor einiger Zeit). Die Bilder in den Köpfen der Menschen sind teilweise recht seltsam, und aufklären kann man sie nur, wenn sie interessiert sind und nachfragen, und das tun die meisten nicht. So ist man in deren Köpfen entweder ein unfunktionales, schaukelndes Etwas, das zu nix richtig taugt (aber vielleicht toll Streichhölzer zählen kann), oder aber ein Simulant, weil man basale Kommunikation beherrscht und „normal“ aussieht.
Ich fand es gut, dass die Ärztin noch genauer nachgefragt hat und ich ein paar Worte erklären konnte. Am liebsten wäre mir aber einfach, ich müsste mich mit so etwas gar nicht auseinandersetzen.

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2 Gedanken zu „Heilung in Sicht?

  1. Forscher

    Ich denke, bei bestimmten Berufsgruppen ist so eine Aufklärung wichtig, gerade bei Ärzten, die sicher öfters unwissentlich mit bestimmten Entwicklungsstörungen (bzw. Veranlagungen) zu tun haben, als andere, und wo es gerade dann eben wichtig ist, behutsam damit umzugehen. So gesehen finde ich es gut, dass Du die Gelegenheit genutzt hast, mehr darüber zu sagen. Ich erkläre meinen Ärzten auch, was ich habe, auch wenn ich oft merke, dass sie nichts darüber wissen. Leider ist es ja so, dass die meisten Ärzte gar keine Zeit haben zuzuhören (Zeitdruck, Fließbandarbeit), dann bleibt wenigstens ein Stichwort hängen, besser als nichts. Meine Angst besteht eher darin, etwas zu sagen, nicht ausführen zu können und der Rest wird dann gegoogelt oder auf Wikipedia nachgeschlagen – wo selten das steht, was dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht.

    Antwort
    1. π-rat Autor

      Danke für Deinen Kommentar! Die Kommunikation mit Ärzten finde ich immer sehr schwierig. Gerade weil die Zeit, die man beim Arzt zur Verfügung hat, so knapp ist. Auch ohne Diagnoseerklärung komme ich meistens gar nicht dazu, alle Symptome des aktuellen Vorstellungsgrundes zu berichten oder alle Fragen zu stellen, so dass ich nach dem Arztbesuch meist nicht weiter bin als vorher. Aber immerhin hält man danach irgendein Rezept in der Hand. Meist bin ich mir jedoch nicht sicher, ob es denn nun das Richtige ist, oder ob es überhaupt nötig ist. Ich versuche, Ärzte zu meiden 😉
      Es gibt ja bei aspies.de einen Flyer für Ärzte, der bestimmt hilfreich sein kann, wenn der entsprechende Arzt sich auch damit beschäftigt. Vielleicht sollte ich mal einen mitnehmen.

      Antwort

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