Mit Autismus älter werden – Teil I

Älter werden, alt werden, ein Thema das irgendwann eines Tages über jeden Menschen hereinbrechen wird, auch wenn man diese Tatsache am liebsten verdrängen würde. Bei manchen verläuft dieser Prozess schleichend, bei anderen kommt es ganz plötzlich zu körperlichen, geistigen, oder psychischen Alterserscheinungen. Was für einen neuro-typischen Menschen mit oft erheblichen Einschnitten einhergeht, ist für einen autistischen Menschen eine mit Sicherheit noch problematischere Lebensphase. Denn von der älteren Generation wird ja ohnehin schon oft behauptet, sie sei zum Beispiel unflexibel, stur und halte an alten Gewohnheiten fest. Das heißt, es geht hier um grundlegende Eigenschaften vieler älterer Menschen, die jedoch im autistischen Spektrum schon seit Beginn des Lebens anzutreffen sind und sich bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen durch alle Entwicklungsphasen ziehen.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich laut gerontopsychiatrischer Fachkreise, die Fähigkeit der Kompensation autistischer Verhaltensweisen, ab einem gewissen höheren Lebensalter, mehr oder weniger, wieder zurückbilden könnte. Also diverse Strategien, die man sich im Erwachsenenalter, beispielsweise im Sozialbereich, mühsam angeeignet hat, werden sich voraussichtlich, je nach individueller Ausprägung des Autismus, im späteren Alter reduzieren.

Gleiches gilt womöglich auch für repetitive Manierismen und Stereotypen. Was einst zu Kindheitszeiten eventuell mit routinierter Ausdauer betrieben wurde, im Jugend- und Erwachsenenalter gänzlich zurück gegangen ist, oder sich nur noch in verminderter Form gezeigt hatte, könnte im Alter wohl wieder deutlich mehr an Relevanz gewinnen.
Ähnlich verhält es sich auch mit der Empfindung in seiner eigenen Welt zu leben, in die man sich dann möglicherweise wieder des öfteren zurückzieht, weil man sich in seiner Umgebung vielleicht wieder genauso deplatziert fühlt, wie es sich einst zu Kindertagen, je nach Lebenssituation, eventuell zugetragen haben könnte. Womöglich wird man diesbezüglich auch wieder vermehrt bevorzugte Gegenstände, spezielle Beschäftigungen und selbst erschaffene Routinen, den Mitmenschen vorziehen.

Auch an dieser Stelle ist von Seiten des sozialen Gefüges auf jeden Fall eine gewisse Umsicht von Nöten, sofern es in der Zukunft, eines Tages auf Grund einer irgendwann eintretenden Altersschwäche, zu einer eventuellen pflegerischen Betreuung, oder gar zu einer Heimunterbringung, kommen wird. Das Personal sollte in Bezug auf den Autismus unbedingt zumindest in Grundkenntnissen geschult sein, um auf möglicherweise auftretende Schwierigkeiten vorbereitet zu sein. Denn ein ganz besonders sensibles Thema wird unter Umständen den pflegerischen Bereich umfassen, wenn der Betreffende hierbei im Alter einer kontinuierlichen Unterstützung bedarf.

Link zu Teil II
Link zu Teil III

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