Von Marsmenschen und Menschenwürde – Teil III

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Im Weiteren wurde ein Projekt aus der Schweiz vorgestellt, dass frühverrentete autistische, oder auch psychisch kranke Menschen, zurück ins Arbeitsleben integriert, da man festgestellt hat, dass diese durchaus erwerbsfähig sind, wenn man auf ihre Besonderheiten eingeht. Der Anteil an psychisch kranken Menschen in der Frühverrentung sei unglaublich hoch und man könnte dem durchaus entgegenwirken.

Es gibt dort hierfür mittlerweile spezielle Rehakliniken, wo die Leistungsfähigkeit getestet und die individuellen Stärken erarbeitet werden. Je nach Ergebnis dieser Reha-Wochen oder auch Monate zur beruflichen Wiedereingliederung, wird von dort aus eine direkte entsprechende Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt angestrebt, die auch zumeist erfolgreich verläuft. Im Gegensatz zu einer Unterbringung in einer Werkstatt für Behinderte, deren Anforderungsprofil zumeist auf geistig Behinderte zugeschnitten ist.

In diesem Zusammenhang entstand jedenfalls die Frage im Raum, ob nicht dem zur Folge ein hoher Krankenstand zu erwarten sei. Dieses wurde wie folgt verneint, da angestrebt wird einen adäquaten und bedürfnisgerechten Arbeitsplatz zu finden, der mit Sicherheit lukrativer ist, als die Werkstatt für Behinderte. Wo solche Leute eher krankheitsbedingt ausfallen würden und einen Aufenthalt in der Psychiatrie als Erholung von einer monotonen und unterfordernden Beschäftigung betrachten würden. Denn eine solche Betätigung kann auf Dauer gesehen unzufrieden machen und dem zur Folge auch zu einer psychiatrischen Erkrankung führen.

Um beim Thema Werkstatt für Behinderte zu bleiben. Im nächsten Vortrag wurden die Behindertenwerkstätten scharf kritisiert. Besonders bei den Werkstätten in privater Trägerschaft wäre ein kontinuierlich steigender Wirtschaftsmarkt entstanden, der so nicht akzeptabel sei. Eine Werkstatt für Behinderte hat den Bildungsauftrag einen Behinderten je nach Behinderungsgrad und individuellen Fähigkeiten entsprechend zu fördern, mit dem Ziel, ihn relativ zeitnah, je nach psychischer Belastbarkeit, in den ersten oder auch den zweiten Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Diesem Bildungsauftrag wird jedoch in großem Ausmaß nur unzureichend, oder auch überhaupt nicht nachgekommen, da der Einrichtung diese Arbeitsplätze vom Landschaftsverband oder auch anderen Kostenträgern über Jahre finanziert werden. Das heißt, die Werkstätten verdienen hier gutes Geld und sind daher nicht sonderlich daran interessiert, die betreffenden Menschen an den freien Arbeitsmarkt abzugeben.

Genauso verhält es sich mit der Betreuung. Manch einer der im stationären betreuten Wohnen untergebracht ist, käme möglicherweise auch mit einer intensiveren ambulanten Betreuung im Leben zurecht. Hier wäre unbedingt ein Umdenken angezeigt, um dem immer größer werdenden Wirtschaftszweig von Behindertenwerkstätten in privater Trägerschaft entgegenzusteuern.

Ein Umdenken ist aber auch gefragt, was die beruflichen Fähigkeiten der autistischen Menschen betrifft. Firmen wie SAP rühmen sich derzeit damit autistische Menschen einzustellen, da diese ja so penibel, detailliert und analytisch begabt seien, wie fast kein anderer. Es ist tatsächlich dem gegeben, das autistische Menschen sehr gute Qualifikationen im IT Bereich aufweisen können, aber wenn man genau hin schaut, macht es den Eindruck, als wären sie nur in diesem Bereich einsetzbar und das ist eine absolut verfälschte Darstellung.

SAP hat als IT Unternehmen an dieser Stelle eine Marktlücke entdeckt und profiliert sich mit sozialem Engagement für autistische Menschen. Doch in Wirklichkeit geht es hier hauptsächlich um wirtschaftlichen Eigennutz, sowie um ein offensichtlich wirksames Werbemittel. Leider entsteht jedoch durch solche Werbekampanien ein Bild, dass wir nichts anderes könnten, als vor dem Computer zu sitzen, was natürlich nicht der Wahrheit entspricht.

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