Von Marsmenschen und Menschenwürde – Teil IV

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Laut des Referenten habe er persönlich speziell mit der Firma SAP keine guten Erfahrungen gemacht, worauf er jedoch nicht näher eingehen wollte und was natürlich auch nicht heißen soll, dass es sich bei anderen Betrieben, die autistische Menschen im IT Bereich einstellen, zwangsläufig genauso verhält. Denn es gibt ja mittlerweile mehrere Unternehmen, die in diesem Sektor erfolgreich und entsprechend kollegial mit autistischen Menschen zusammen arbeiten. Natürlich steht verständlicherweise auch in diesen Firmen der Wirtschaftsfaktor im Vordergrund, aber er sollte schon sozial vertretbar sein, vor allem, wenn man sich zur Zusammenarbeit mit behinderten Menschen entschließt.

Davon abgesehen gibt es übrigens auch etliche Berufsbilder, bei denen es ebenfalls um spezielle Detailgenauigkeit, oder einer besonderen Form der Präzision geht. Wo überdies keine Teamarbeit erforderlich ist und auch die Einhaltung einer gewissen Rahmenstruktur gewährleistet werden kann. Es sollte daher grundsätzlich im Einzelfall nach tatsächlichen Neigungen und individuellen Fähigkeiten geschaut werden. Denn hierbei kommt oft erstaunliches zutage, wenn man bereit ist, genügend Zeit dafür zu investieren und dabei Stärken orientiert vorzugehen, anstatt permanent nur defizitär zu denken.

Natürlich dürfen die Besonderheiten autistischer Menschen hierbei nicht außer acht gelassen werden. Doch wenn beide Seiten offen für einander sind und man sich mit gegenseitiger Toleranz auf Augenhöhe begegnet, ist es eine lohnende Investition in die Zukunft autistischer Menschen. Und dass es auch einige positive Aspekte gibt, von denen ein Unternehmen durchaus profitieren kann, ist ja eingangs bereits schon bestätigt worden.

Auch wurde das Thema Diagnostik und Therapie am Rande behandelt. Beides ist im Autismus-Bereich mittlerweile relativ gut ausgebaut. Nordrhein-Westfalen gilt hier als sehr vorbildlich, im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern. Trotzdem braucht es selbst hierzulande häufig noch viel zu viel Zeit, bis die richtige Diagnose gestellt wird, das heißt, auch hier besteht noch Verbesserungsbedarf.
Doch was die Therapie autistischer Menschen betrifft, so gilt es genau hinzuschauen. Therapie ist grundsätzlich positiv zu betrachten, aber nur in so weit, dass sie nicht die Persönlichkeit des autistischen Menschen verändert. Autismus ist nicht heilbar und an dieser Stelle muss man sagen, diese Menschen sind eben so. Eine gewisse Anpassung ist für uns erlernbar, aber autistische Menschen sind eben auch sie selbst und haben ein Recht das zu sein!
Jedenfalls habe ich bei dieser Fachtagung viele bereichernde Erfahrungen gemacht, was sich auch schon direkt im Anschluss gezeigt hat, als ich von einzelnen außen stehenden Mitmenschen gefragt wurde, mit wem ich dort hingefahren gefahren und mit wem ich zusammen gewesen bin und ins Gespräch gekommen war. Leider wussten die Leute mit meiner Antwort kaum etwas anzufangen, aber darüber habe ich mich ohne Probleme hinwegsetzen können.
„Ich bin allein dort hin gefahren und habe mich in der Pause und nach Abschluss der Veranstaltung zurückgezogen, so wie die anderen autistischen Teilnehmer. Wenn man über mehrere Stunden Vorträge hört, hat man in den Pausen und hinterher keinen Bedarf mehr auf Konversation mit irgendwelchen Leuten, schon gar nicht, wenn es Fremde sind.“

Damit habe ich endlich mal nicht nur die richtige Entscheidung für mich getroffen, sondern auch selbstbewusst zu meinem eigenen Handeln gestanden und mich nicht danach orientiert, was die anderen machen, weil es ja angeblich permanent das Richtige ist, da sie ja die „Normalen“ sind.

Und damit kommt wieder mein Motto zu Wort: „Es ist normal verschieden zu sein.“

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