Ausbildung und Berufsschule

In letzer Zeit ist es sehr still um mich geworden. Das hat vor allem mit meiner Ausbildung zu tun. Inzwischen befinde ich mich im dritten und letzten Lehrjahr. Und ich habe einiges erlebt. Auf welche Probleme ich dabei gestoßen bin, möchte ich euch jetzt gerne erzählen.

Ich mache meine Ausbildung in einer Firma, in der ich mich sehr wohlfühle. Das liegt vor allem auch daran, dass ich so liebe Kollegen habe, die Arbeitsatmosphäre ist sehr, sehr angenehm. Ohne das hätte ich nicht lange durchgehalten.

Trotzdem gab es zwischendurch immer wieder Momente, in denen ich komplett verzweifelt bin und die Ausbildung ernsthaft abbrechen wollte.

Eines meiner größten Probleme war und ist noch die Berufsschule. Ursprünglich sollte mir die erspart bleiben, aber mein Ausbilder bat mich schließlich, doch hinzugehen.

Ich kann im Moment noch nicht wirklich sagen, ob das die richtige oder die falsche Entscheidung war. Es spricht viel für beides, vielleicht kann ich diese Frage wohl nie wirklich beantworten. Aber von Anfang an.

Meine größte Angst in der Berufsschule waren meine Mitschüler. Ich hatte in meiner gesamten Schullaufbahn Erfahrungen mit Mobbing gemacht, mal mehr, mal weniger.

Das stellte sich zum Glück als unbegründet heraus. Ich habe eine liebe, verständnisvolle Klasse erwischt. Und ich habe in dieser Klasse sogar Freunde gefunden, die mir durch schwere Zeiten geholfen haben.

Und schwere Zeiten habe ich in der Schule leider einige gehabt.

Dazu muss man wissen, dass es in unserer Klasse wirklich alles gibt, totale Anfänger und Leute mit so viel Wissen, dass sie mehr wissen als die Lehrer. Ich gehöre leider eher zu den Anfängern.

Ich habe Schwierigkeiten, das Wissen, was uns im Unterricht vermittelt wird, zu verarbeiten und zu sortieren. Das hat dann dazu geführt, dass ich regelmäßig vollkommen überfordert war. Besonders, da ich nicht wirklich auseinander halten kann, was wichtig ist und was nicht.

Das alles hat dazu geführt, dass ich mich gerade vor Klausuren komplett verausgabt habe, bis hin zu Nervenzusammenbruch. Weil ich versucht habe, alles zu lernen. So tief wie möglich.

Dadurch hatte ich recht gute Noten. Somit sah von außen alles gut aus. Aber mir selbst ging es furchtbar.

Schon Wochen, Monate vor den Klausurphasen hatte ich panische Angst, weil ich wusste, was mir da drohte. Es waren sehr schlimme Zeiten, in denen ich mir nur durchs Lernen quälte, immer und immer wieder. Und dabei kam ich kaum voran, weil ich sonst keinen Ausgleich hatte. Aber anders war das Pensum nicht zu bewältigen.

Ende letzten Jahres hatte ich dann beim Lernen für die damalige Klausurphase einen so schlimmen Nervenzusammenbruch, dass ich länger krank geschrieben werden musste.

Zwar hatte ich davor schon das Gespräch mit der Schule gesucht, aber es war einfach nicht genug Zeit. Dabei war ich schon so froh, dass ich diesen nahenden Zusammenbruch rechtzeitig gespürt habe.

Es dauerte ziemlich lange, bis ich zusammen mit der Schule eine Lösung erarbeiten konnte. Auch, weil mir nach diesem Zusammenbruch die Kraft fehlte. Ohne meine Ausbildungsbegleitung hätte ich das nicht geschafft.

In der Zwischenzeit musste ich mich natürlich mit Lehrern irgendwie arrangieren, weil ja die Zeugniskonferenzen nahten.

Wir einigten uns als Vorträge bzw. Aufsätze als Ersatzleistungen. Das ist für mich besser zu bewältigen als Klausuren.

Da die Zeit knapp war, musste ich die kompletten Weihnachtsferien durcharbeiten. Dabei hatte ich mich noch nicht einmal wirklich von dem Zusammenbruch erholt, der zu all dem geführt hatte. Es war wirklich schrecklich.

Als ich meinem Ausbilder mein Leid klagte, bekam ich die Erlaubnis, auch während der Arbeitszeit daran weiterzuarbeiten. Ansonsten hätte ich es wirklich nicht geschafft.

Auf der Arbeit kann ich mich besser auf so etwas konzentrieren. Zu Hause gibt es so viele andere Sachen, um die ich mich kümmern muss. Und dort muss ich mich vor allem erholen.

Inzwischen ist die nächste Klausurphase angebrochen. Aber es gibt zwei gravierende Unterschiede.

Die Lehrer sind inzwischen vorbereitet und haben die Rückendeckung der Schulleitung. Dadurch konnten wir uns viel besser einigen. Das war eine riesiger Erleichterung.

Außerdem habe ich von meinem Ausbilder jetzt die Vorgabe, in der Freizeit gar nichts für die Schule oder die Firma zu machen. In meiner Freizeit soll ich mich erholen. Das gilt auch für alle anderen Azubis. Wer sich nicht erholt, leistet keine gute Arbeit. Außerdem würde man ansonsten die Wochenarbeitszeit überschreiten. Diese Regelung sollte meiner Meinung nach eigentlich für alle Azubis gelten, egal welcher Beruf!

Ich habe zwar noch Probleme, die Schulaufgaben mit in den Arbeitsalltag einzuplanen, weil ja auch Kundenprojekte erledigt werden wollen. Aber es ist kein Vergleich zu vorher. Egal, wie stressig es in der Schule oder auf der Arbeit ist – sobald ich zu Hause bin, habe ich meine Ruhe. Ich kann mich erholen, mich um den Haushalt kümmern, Spaß haben… es ist ein ganz anderes Leben. Und ich genieße meine wiedergewonnene Freiheit!

Langsam fange ich auch an, mich von all dem zu erholen – nach gut einem halben Jahr wohlgemerkt!

Trotzdem habe ich noch ein paar „Baustellen“, wie man so schön sagt. Im Berufsalltag kommt mir mein fehlendes Selbstvertrauen oft in die Quere. Ganz oft bin ich verunsichert und mache mir große Vorwürfe, wenn etwas nicht sofort klappt. Das liegt daran, dass ich sehr hohe Ansprüche an mich habe.

Das schlägt sich leider auch in der Arbeitsleistung nieder. Und ich bin noch unsicher, wann ich mir Hilfe holen „darf“.

Das liegt aber nicht an der Firma oder meinen Kollegen. Es hat eher mit meiner bisherigen Geschichte und den entsprechenden Erfahrungen zu tun.

Aber es ist auch schon besser geworden. Richtige Zusammenbrüche hatte ich schon länger nicht mehr. Und da ich in der Firma auch viele gute Erfahrungen mache, hoffe ich, dass ich mit der Zeit auch etwas selbstsicherer werde.

Im Moment sehe ich sehr optimistisch in die Zukunft. Mitte Juni endet die Schule. Danach kann ich mich in Ruhe auf die Prüfung Ende des Jahres vorbereiten – während der Arbeit, nicht in der Freizeit!

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