Die kleinen Blockaden des Alltags

Immer wieder bin ich geschockt, was für Kleinigkeiten mich im Alltag komplett überfordern. Es sind Dinge, die an anderen Tagen kein Problem darstellen. An anderen Tagen bricht deswegen meine ganze Tagesplanung zusammen.

So war es auch heute. Ich wollte etwas in einem Online-Shop bestellen. Aber es gab kein Zusatzfeld in dem Formular, in dem die Adresse abgefragt wird.
Ich lasse mir Pakete am liebsten auf die Arbeit schicken, damit ich ihnen nicht hinterrennen muss. Außerdem ist es für mich furchtbar, wenn ich weiß, dass zu Hause theoretisch jederzeit der Paketbote klingeln könnte.
Deswegen brauche ich ein Zusatzfeld, in das ich den Namen der Firma eintragen kann.
Es gab zwar ein Zusatzfeld für Anmerkungen ganz unten. Aber wer weiß, ob das berücksichtigt wird.

Die Lösung ist ja jetzt vermeintlich einfach: Kundensupport anschreiben. Es gibt auch ein Kontaktformular.
Aber an diesem Punkt bin ich überfordert. Zum einen muss ich Kontakt zu fremden Menschen aufnehmen. Zum anderen weiß ich nie, wie ich solche Anfragen formulieren soll: umgangssprachlich, wie ein Geschäftsbrief, …? Was wird da erwartet.
Meist endet es damit, dass ich dann die Idee begrabe (rw), weil mir die Kraft dafür fehlt, mich damit auseinanderzusetzen.

Das schlägt natürlich auch auf die Stimmung – versagt. Und ich hatte mich ja eigentlich so darauf gefreut! Meist gebe ich ja nur Aufgaben auf, die für mich sind. Wenn sie für andere sind, habe ich ja meist keine Wahl. Ich bin es sowieso nicht wert, sagt dann eine Stimme in mir.
Heute hat das dazu geführt, dass ich tatsächlich in ein richtiges schwarzes Loch gefallen bin (rw). Ich bin ins Bett geflohen und habe mir wortwörtlich die Decke über den Kopf gezogen.
Ich hab nicht auf die Uhr geschaut, es waren wohl etwa ein bis zwei Stunden, die mir so verloren gingen. Ich hatte mit dem Tag schon abgeschlossen – das wird mit mir heute eh nichts mehr.

Das sind die Situationen, in denen ich am liebsten laut um Hilfe rufen möchte, es aber nicht kann. Die Stimme ist dann weg, wobei ich heute eh allein war.
Das ist der Punkt, an dem ich mir eigentlich Hilfe holen sollte, von Freunden, der Familie, etc. Aber in solchen Situationen überfordert mich selbst das.
Wer ist der richtige Ansprechpartner? Wer kann weiterhelfen? Wer ist gerade in diesem Augenblick verfügbar? Wer hat genug Kraft? Wie beschreibe ich mein Problem? Was brauche ich? Worum soll ich bitten?

Zum Glück bekam ich dann irgendwann doch noch die Kurve. Ich schaffte es, zu duschen und mich anzuziehen. Dinge, die eigentlich nichts besonderes sind. Für mich in diesen Situationen aber schon. Es kostet wahnsinnig viel Kraft.
Langsam kehrte auch die Fähigkeit, mit anderen in Kontakt zu treten, zurück. Und ich bekam Rückhalt, für den ich sehr, sehr dankbar bin.
Für mich gibt es beinahe nichts schlimmeres, als so einsam und hilflos zu sein wie noch vor ein paar Stunden. Es ist ein stilles vor sich Hinleiden, das Ende meist nicht in Sicht.

Ich weiß leider im noch nicht, wie ich jetzt das konkrete Problem mit dem Online-Shop löse. Oder besser: ob ich es löse. Ob die Kraft dafür reicht.
Aber ich bin wieder aktiv geworden. Jetzt warten noch ein paar Pflichtaufgaben auf mich, die durch die ganze Geschichte liegen geblieben sind. Leider müssen die heute erledigt werden, ich schiebe sie seit Tagen auf.
Wofür danach die Kraft reicht, werde ich danach sehen. Wohl gemerkt: Es geht darum, wofür die Kraft reicht, nicht wofür die Zeit reicht.

Ich hoffe, dass ich mit der Zeit eine Lösung finde, wie ich mich aus diesen passiven Situationen befreien kann. Und dass ich dann auch nach Hilfe rufen kann.
Und natürlich hoffe ich auch, dass ich das mit der Bestellung auch noch auf die Reihe bekomme. Auch wenn es Wochen oder Monate braucht, obwohl ich „nur“ eine kurze Anfrage an den Support schreiben muss.

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2 Gedanken zu „Die kleinen Blockaden des Alltags

  1. Paul Niemann

    Eigentlich sehe ich das als schlechten Service, wenn man die Lieferadresse nicht angeben kann, im Regelfall bestelle ich inzwischen in diesen Fällen schon aus Prinzip woanders, aber das ist ja, wenn ich die Beschreibung lese, offensichtlich schwierig.
    Zu 90 % bin ich nicht da, wenn der Bote kommt und dann wird der Zettel, wo ich es abholen kann, meist einfach ans Fenster vor der Tür geklebt, also außen, nicht mal im Haus, was weggekommen ist aber nie, ich bestelle aber auch nicht oft was. In der Regel lasse ich mir Bestellungen direkt zur Postfiliale oder alternativ zu Paketshops anderer Anbieter schicken, bei mir ist alles im 500 m- Umkreis, die Postfiliale sogar nur 200 m.
    Aber ich wohne auch in einem dreistöckigen 60 Parteien- Haus und es zieht natürlich alle paar Monate jemand ein und aus. Woher soll ich dann wissen, wie mit Paketen umgegangen wird, die beim Nachbarn zugestellt werden? Ich weiß ja nicht, bei wem von diesen 60 das zugestellt wird.
    Deshalb sehe ich es so, dass Onlineshops die Angabe einer Lieferadresse zulassen müssen, und wenn Kunden beim entsprechenden Shop nicht bestellen, weil dieser das nicht anbietet, senkt das ja dessen Einnahmen.

    Antwort
    1. Sternensucher Autor

      Es gab ja noch das Anmerkungsfeld.
      Inzwischen hab ich dem Support auch geschrieben und eine sehr nette Rückmeldung bekommen. Der Online Shop war mir das in jedem Fall wert, der verkauft quasi Unikate.
      Allerdings muss ich jetzt noch die Bestellung zustande bringen. Das wird mein nächstes großes Projekt.

      Es freut mich aber, dass ich mit dem Postbotenproblem nicht alleine bin. Nachbarn kann man leider nicht immer trauen, Freunden von mir wurden sogar schon Pakete geklaut.

      Antwort

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