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Kein Baum im Wald lässt sich freiwillig Abforsten – Bedürfnisse von Menschen mit Autismus

Wie sich an der an der Überschrift womöglich unschwer erkennen lässt, knüpft dieser Text an den vorherigen inhaltlich zunächst erst kurz an, zumindest was den medizinische Aspekt vom zuletzt verfassten Bericht betrifft.

Aus ärztlicher Sicht hatte man also nach abgeschlossener, orthopädischer Diagnostik eine Operation zur Debatte gestellt. Jedoch mit äußerst fraglichen Erfolgsaussichten und einem erheblich erhöhten Komplikationsrisiko. Doch auch an dieser Stelle geht es jetzt nicht um die genaue medizinische Erörterung, sondern vorrangig um die Reaktionen des sozialen Umfeldes und meine Autismus typische, daraus resultierende Umgangsweise.

Auf Grund der orthopädischen Komplexität wurde jedenfalls eine überaus detaillierte Diagnostik durchgeführt, die mich ohnehin schon bis zur obersten Belastungsgrenze gebracht hatte, was den Autismus betrifft. Zuzüglich folgte die herbe Enttäuschung meines sozialen Umfeldes wegen der letztendlich nicht zielführenden, also nicht statt gefundenen Operation.
Das hatte wiederum zur Folge, dass die Untersuchungsergebnisse plötzlich im vollen Umfang angezweifelt wurden. Man versuchte mich daher eindringlich davon zu überzeugen, doch unbedingt eine weitere ärztliche Koryphäe, in mehreren hundert Kilometern Entfernung, in Anspruch zu nehmen, was ich jedoch vehement verweigerte.
Zudem wurde mir darüber hinaus noch vermittelt, ich müsste doch an das höhere Lebensalter denken, anstatt es einfach so hinzunehmen, dass man orthopädisch nichts für mich tun könnte. Das kann doch unmöglich so sein, bei dem hierzulande hochentwickelten medizinischen Fortschritt, wie man mir sagte.

Meine hierzu folgende Antwort scheint anderen Menschen offensichtlich die Sprache zu verschlagen: „Später brauche ich ohnehin irgendwelche Hilfsmittel. Trotzdem ist ein eventuelles Leben mit Rollator oder Rollstuhl doch keine Katastrophe. Der alltägliche Ablauf wäre folglich natürlich in vielen Details erheblich kompliziert. Aber davon mal abgesehen, man sollte doch unbedingt von der gegenwärtig aktuellen Situation ausgehen und demnach bin ich zwar sichtlich gehbehindert, aber dennoch in der Lage kürzere Wege ohne Hilfsmittel zu laufen. Das allein zählt doch jetzt erst mal!“

Bei nicht-autistische Menschen sorgt eine solche Äußerung anscheinend für sprachloses Entsetzen. Ich hingegen nenne das schlicht und einfach: „Rationaler Realitätsblick mit zukunftsorientierter Lebensplanung.“ Unsere Wohnung ist ohnehin rollstuhlgerecht, abgesehen von Kleinigkeiten, die sich im eventuellen Bedarfsfall problemlos baulich nachrüsten ließen. Also falls es eines Tages tatsächlich zu besagter Beeinträchtigung kommt, so ist es halt nicht zu ändern. Doch wenn sich zukünftig eine Möglichkeit der hochtechnisierten, orthopädischen Versorgung ergeben sollte, so ist es natürlich um so vorteilhafter und dann werde ich mich auch damit befassen.

Was ich mit diesem Beispiel zum Ausdruck bringen möchte ist, das ich mir einfach mehr Akzeptanz für unsere Art des Denkens, sowie unserer Sicht- und Handlungsweise wünsche! Und damit komme ich gleich zum nächsten Punkt. Wir leben immer mehr in einer Gesellschaft mit perfektionistischen Ansprüchen. Ob es um Leistungsfähigkeit, ums äußere Erscheinungsbild oder Verhaltensweisen geht. Die pränatale Selektion bei der Diagnose Trisomie 21, sei hier mal als ein äußerst extremes Beispiel aufgeführt.

Als es in einem kürzlichen Autismus Vortrag darum ging, für mehr Toleranz und Akzeptanz unserer Persönlichkeit zu plädieren und den Fokus mehr auf die individuellen Stärken zu richten, anstatt unsere Defizite hervorzuheben, fragte ein Teilnehmer aus dem Publikum doch tatsächlich nach zukünftigen Methoden der vorgeburtlichen Autismus-Diagnostik.

Das daraus resultierende Entsetzen im Saal zeigte jedenfalls, das die Vertretung solcher Ansichten zum Glück noch Einzelfälle darstellt. Aber wenn ich die gesellschaftliche Entwicklung betrachte, frage ich mich, wie lange das womöglich noch so sein wird. Es geht doch immer mehr um unsere Anpassung an vorgegebene Rahmenbedingungen und in dieses Klischee gehört beispielsweise nichts aus dem autistischen Spektrum.

Alles wird heute als selbstverständlich betrachtet. Angefangen von leistungsfähigen und unauffällig, funktionierenden Kindern, bis hin zu körperlichen Unversehrtheit. Im Zweifelsfall wird dann so lange nachgebessert, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Zum Beispiel ist die Präsentation des äußeren Erscheinungsbildes noch nie so relevant gewesen wie heutzutage.

Eine junge Frau aus meiner Heimatstadt hat sich kürzlich auf Grund der Problematik mit ihrem Selbstbewusstsein die Brüste vergrößern lassen. Als ich mit meinem Behinderten-Dreirad an dem Straßencafé vorbei kam, wo die Dame gerade saß, hielt sie sich plötzlich die Speisekarte vor das Gesicht. An ihrer Stelle wäre mir das in Gegenwart eines körperbehinderten Menschen ebenfalls peinlich gewesen. Andererseits wirft es die Frage auf, ob es trotz korrigierter Brust um das Selbstbewusstsein der besagten Frau nun tatsächlich besser bestellt ist…

Wie unterschiedlich die jeweiligen Normvorstellungen doch erscheinen. Auf der einen Seite ist es normal sich die Brüste vergrößern zu lassen, aber auf der anderen Seite wird es als auffällig deklariert, wenn man auf Grund der autistischen Besonderheiten beispielsweise nicht in der Lage ist zum Friseur zu gehen, Kosmetik zu betreiben, körpernahe Kleidung zu tragen, beziehungsweise überhaupt ein Desinteresse an aktueller Mode zeigt. Oder auch Hobbys nachgeht, die nicht dem allgemein üblichen Bild einer Frau zuzuordnen sind.
Wegen einer Aktivität galt ich sogar als psychisch behandlungsbedürftig und der Kontakt wurde von der Betreffenden abgebrochen. Das hat mich natürlich zunächst nachdenklich werden und an mir selbst zweifeln lassen, aber letztendlich habe ich diese Tätigkeit unauffällig fortgeführt.

Fast bis heute ging es in meinem Leben permanent darum mich den Vorstellungen anderer Leute entziehen zu müssen, um nicht meine eigene Persönlichkeit zu verlieren. Denn schon vor mehreren Jahrzehnten hatte ich festgestellt, es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder um die Erhaltung der eigenen Individualität zu kämpfen, oder sich von anderen verbiegen zu lassen. Da zuerst genanntes lange Zeit nicht zu realisieren war, habe ich zunächst zu der Notlösung der scheinbaren Anpassung gegriffen. Aber ich habe nie vergessen, was mir wichtig ist und eines Tages konnte ich mein Selbstbild nach eigenen Vorstellungen nach und nach umsetzen. Denn ich selbst hatte nie das Bedürfnis mich zu verändern. Diese Forderung wurde immer von Außen an mich heran getragen.

Doch dabei ist mir ein prägnanter Trugschluss unterlaufen. Denn ich hatte in den letzten Jahren tatsächlich geglaubt, die Gesellschaft sei nun endlich toleranter geworden und hätte inzwischen mehr Verständnis für Menschen erlangt, die ein wenig anders erscheinen. Denn auch im Autismus Bereich ist ja in den letzten Jahren einiges an Transparenz entstanden, was natürlich als sehr positiv zu bezeichnen ist!

Aber andererseits gibt es seit geraumer Zeit zweifelhafte Therapieangebote, die sämtliche autistische Symptome angeblich vollständig unsichtbar machen können und das Thema mit der pränatalen Autismus Diagnostik ist leider auch nicht so ganz in Vergessenheit geraten…

Oder der Bereich der Inklusion. Ein Lehrer musste beispielsweise noch Jahre nach dessen Einführung darüber aufgeklärt werden, dass sich nicht der autistische Inklusionsschüler dem System anzupassen habe, sondern die Inklusion dazu da ist, auf die Besonderheiten des autistischen Kindes einzugehen. Bei einem anderen Schüler hingegen musste die Autismus-Diagnose aus Furcht vor einer Benachteiligung des Kindes in der Schule verschwiegen werden. Während bei einem Erwachsenen mit Autismus bei Offenlegung der Autismus-Diagnose der Verlust des Arbeitsplatzes zu befürchten stand.

Diese Fakten jetzt nur dazu, dass sich die Toleranz und Akzeptanz in dieser Gesellschaft in den letzten Jahren angeblich positiv verändert hat. Und genau das ist der Punkt, wo eine Verbesserung überaus wünschenswert wäre und offensichtlich noch viel Aufklärungsarbeit von Nöten ist.

Und was meinen eben genannten Trugschluss betrifft. Nicht das Verständnis der Gesellschaft hat es mir erleichtert, meine Eigenständigkeit besser bewahren zu können, sondern mein eigenes Selbstbewusstsein, dass sich über die letzten Jahre ein Stück weit verbessert hat.

Diese Entwicklung lag unter anderem auch daran, dass ich in den letzten Jahren mein soziales Umfeld ein wenig umstrukturiert und mich von den Menschen distanziert habe, die immer wieder versucht hatten, mich nach ihren Vorstellungen zu beeinflussen und zu prägen. Im Weiteren habe ich mir meine, für andere Menschen recht seltsamen Interessen gegönnt. Wer damit nicht klar kam, den konnte ich nicht gebrauchen und letztendlich war ich erstaunt, dass es sich doch nur um recht wenige Menschen gehandelt hat, die sich von mir zurück gezogen haben.

Doch auch wenn sich das Selbstbewusstsein kontinuierlich weiter entwickelt. Was dennoch zurück bleibt, ist die immerzu währende Empfindung des Andersseins. Ob man zum Arzt muss, sich in seinem Wohngebiet bewegt, in der Stadt unterwegs ist oder Einkaufen geht, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Man hat immer wiederkehrend irgendwie das Gefühl nicht so recht in diese Welt zu gehören und ich glaube, das macht auch einen Teil der sozialen Ängste aus, mit denen sich viele autistische Menschen häufig konfrontiert sehen.

Ich würde mir sehr wünschen, dass es irgendwann zumindest ansatzweise zu einem Umdenken in der Gesellschaft kommt. Das Individualität und dem Menschen mit einer anderen Funktionsweise des Gehirns eine gleichberechtigte Bedeutung zu kommt.

Einzelne Idealisten auf diesem Gebiet gibt es ja inzwischen, wie zum Beispiel den Hirnforscher Gerald Hüter, der zum Beispiel sagt, wie wichtig es ist, die individuellen Stärken, Interessen und Fähigkeiten zu fördern. Denn nichts kann sich der Mensch so intensiv und nachhaltig einprägen und weiterentwickeln, wie das mit all seinen Sinnen Erlernte, woran er von Beginn an eine ausgeprägte Begeisterung gezeigt hat.

Das autistische Menschen gerade in den Gebieten ihres Spezialinteresses über ein enormes Wissen, eine hohe Motivation und explizite Fähigkeiten verfügen, haben ja inzwischen einzelne Arbeitgeber schon längst erkannt. Es wäre jedoch wahrhaft wünschenswert, wenn sich dieser Idealismus noch wesentlich weiträumiger forcieren und verbreiten ließe und zwar in vielerlei Hinsicht, einhergehend mit entsprechender Wertschätzung unserer Persönlichkeit!

Denn man kann es nicht oft genug betonen:
„Es ist normal, verschieden zu sein!“

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Ausbildung und Berufsschule

In letzer Zeit ist es sehr still um mich geworden. Das hat vor allem mit meiner Ausbildung zu tun. Inzwischen befinde ich mich im dritten und letzten Lehrjahr. Und ich habe einiges erlebt. Auf welche Probleme ich dabei gestoßen bin, möchte ich euch jetzt gerne erzählen.

Ich mache meine Ausbildung in einer Firma, in der ich mich sehr wohlfühle. Das liegt vor allem auch daran, dass ich so liebe Kollegen habe, die Arbeitsatmosphäre ist sehr, sehr angenehm. Ohne das hätte ich nicht lange durchgehalten.

Trotzdem gab es zwischendurch immer wieder Momente, in denen ich komplett verzweifelt bin und die Ausbildung ernsthaft abbrechen wollte.

Eines meiner größten Probleme war und ist noch die Berufsschule. Ursprünglich sollte mir die erspart bleiben, aber mein Ausbilder bat mich schließlich, doch hinzugehen.

Ich kann im Moment noch nicht wirklich sagen, ob das die richtige oder die falsche Entscheidung war. Es spricht viel für beides, vielleicht kann ich diese Frage wohl nie wirklich beantworten. Aber von Anfang an. Weiterlesen

Elementare Strukturen und Routinen im Arbeits- und Privatleben

Wohl fast jeder autistische Mensch kennt die Schwierigkeiten, wenn plötzlich auftretende Ereignisse die gewohnten Strukturen durcheinander bringen und zu welch gravierenden Problemen das mitunter führen kann. Doch es gibt auch viele Möglichkeiten, diesbezüglich für sich selbst zu sorgen, um den Lebensalltag bestmöglich bestehen zu können. So zum Beispiel auch am Arbeitsplatz und im häuslichen Umfeld. Doch im privaten Bereich lässt sich das natürlich wesentlich einfacher realisieren, als in der Arbeitswelt. Aber gerade dort ist es elementar, um seinen beruflichen Alltag bestmöglich bewerkstelligen zu können und sich eine gewohnt strukturierte Umgebung zu schaffen, so weit das außerhalb des eigenen Zuhauses überhaupt möglich ist.

Da ich beides erlebt habe, also zum einen, eine erfüllende, berufliche Tätigkeit mit zum Teil selbst errichteten Strukturen, sowie zum anderen, das genau gegensätzliche erfahren musste, weiß ich, welch hohe Priorität dahinter steckt. Unter anderem hatten die plötzlich fehlenden gewohnten Abläufe sogar zur Beendigung meiner Arbeitsfähigkeit geführt. Im Weiteren ist mir in diesem Zusammenhang ebenfalls bewusst geworden, wie viel von der Toleranz und dem Entgegenkommen der Kollegen tatsächlich abhängt, ob ein Arbeitsverhältnis mit Menschen wie uns gut funktioniert.

Eine hervorragende Chance kann sich diesbezüglich ergeben, wenn plötzlich im Kollegenkreis festgestellt wird, dass wir unter Einhaltung gewisser Rahmenbedingungen tatsächlich die erwartete Leistung erbringen können. Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen, obwohl zu dieser Zeit meine Autismus-Diagnose noch lange nicht bekannt war.
Bei einer späteren Reflektion mit meinem damaligen Chef, der heute pensioniert ist, kann ich mich noch genau an seine folgende Worte erinnern: „Wenn ich bestimmte Dinge, wie Telefongespräche und Kundenkontakte von dir fern hielt, konntest du gut und konzentriert arbeiten. Das hatte ich irgendwann raus. Ich habe von Anfang an gemerkt, dass du irgendwie anders warst, aber ich wusste intuitiv damit umzugehen, auch wenn es in manchen Situationen erst eine Weile gedauert hat, bis ich dahinter kam, was du brauchtest.“ Weiterlesen

Sich für Autismus schämen

Ich bin derzeit auf Wohnungssuche. Eine Bekannte hat für mich einen Termin mit einer Maklerin für eine Wohnungsbesichtigung ausgemacht. Allerdings hatte sie der Maklerin erzählt, dass ich Autistin wäre, „allerdings nicht so wie Rainman“. Mir rutschte das Herz in die Hose (RW). Und als ich meiner Mutter davon erzählte, regte sie sich wahnsinnig auf. Unmöglich fand sie das, das ginge die Maklerin gar nichts an.
Nachdem ich mich von meinem Schrecken erholt hatte, kam ich zum Nachdenken. Was genau war eigentlich das Problem? Ich fürchtete ernsthaft, die Wohnung aufgrund meiner Diagnose nicht zu bekommen. Uff… Das war schon echt hart. Damit unterstellte ich der Maklerin, dass sie mich wegen meiner Behinderung diskriminiert.
All das machte mir klar, wie sehr ich mich oftmals leider noch für meine Diagnose schäme. Nicht, weil ich Autismus als etwas Schlechtes oder Mindwertiges empfinde. Sondern eher, weil ich vor dem Bild, das Menschen aus Unwissenheit über Autismus haben, Angst habe.
Natürlich ist es Schwachsinn, seine Diagnose überall um jeden Preis bekannt zu geben. Aber in Hinblick auf die Wohnungssuche würde ich es aber schon als hilfreich empfinden, da auch aufgrund meiner Wahrnehmung andere Dinge für mich wichtig sind als wohl bei den meisten Nicht-Autisten. Eine große Glasschiebetür mit Balkon im Wohnzimmer ist für mich beispielsweise ein Alptraum. Da komme ich mir eher vor wie in einem Aquarium, in das alle hineinschauen können. Auch trotz der Gardinen, die bieten mir keinen „Schutz“. Manchmal träume ich von Gardinen so dick wie Handtücher. Ich glaube, vor einigen Jahrzehnten war so etwas tatsächlich mal „in“.

Bei meinen Überlegen dazu kam ich langsam zu dem Schluss, dass meine Diagnose einen Großteil meines Tages für mich wie ein Tabu-Thema wirkt, obwohl ich offen damit umgehe. Weiterlesen

Guten Morgen!

In meiner Ausbildung habe ich das erste Lehrjahr fast um. Viel ist passiert, viel hat sich geändert. Es gibt so vieles, worüber ich eigentlich gerne geschrieben hätte. Aber selten habe ich die Zeit und Ruhe dazu.

Aber jetzt habe ich es endlich geschafft, etwas zu schreiben. Es handelt sich um einen kurzen, typischen Ausschnitt meines Arbeitsalltages. Aber lest selbst 😉

 

Ich gehe durch den Flur zur Tür unserer Firma, drücke auf die Klingel und warte.

Ob mich demnächst wieder irgendjemand sieht, wie ich in den Fahrstuhl steige oder herauskomme? Was soll ich dann sagen? Immerhin sind unsere Büroräume ja nur im zweiten Stock, da sollte man ja eigentlich die Treppe nehmen. Ich brauche eigentlich diese kurze Pause im Fahrstuhl nach der Fahrt mit der Stadtbahn und den ganzen Leuten um mich herum. Aber wie soll ich das erklären?

Der Türsummer ertönt, ich stemme mich gegen die schwere Tür und quetsche mich durch. Beim Zufallen halte ich die Tür hinter mir fest, damit sie nicht zu laut ins Schloss fällt.

Hat das jetzt albern ausgesehen? Guckt gerade überhaupt jemand?

Ich entdecke einen Kollegen, der in meine Richtung schaut.

Hm, schaut der nur wer gekommen ist oder hat der mich beobachtet? Ohje…

Ich mache mich auf den Weg zum ersten Büro und rufe ein „Guten Morgen“ hinein.

Hm, jetzt habe ich gar nicht gelächelt. Sah das jetzt grimmig aus?

Nächstes Büro und wieder „Guten Morgen“.

War das jetzt zu viel gegrinst? Hm, vielleicht haben die ja auch gerade nicht so hingesehen. Hoffentlich…

Ein „Guten Morgen“ und ein geschlossenes Büro (kein „Guten Morgen“) später betrete ich das Büro, in dem ich mit drei weiteren Kollegen zusammen sitze. Einer ist gerade nicht da, die beiden anderen in ein Gespräch vertieft. So vertieft, dass ich auf mein „Guten Morgen“ keine Antwort bekomme. Aber ich weiß, dass das bei den beiden nichts zu bedeuten hat. Ich gehe zu meinem Computer und starte ihn.

Worum geht es in dem Gespräch? Ist es arbeitsbezogen? Geht es um etwas, was mich auch betrifft?

Mein Computer meldet, dass das Passwort falsch ist.

Ah, nicht zu hektisch tippen. Ruhe bewahren. Sonst kann ich das Passwort nicht richtig schreiben.

Da ist das Gespräch auch schon vorbei. Kollege B wünscht mir einen guten Morgen, Kollege A schließt sich an. Ich wiederhole mein „Guten Morgen“.

Hm, war das jetzt überflüssig? Haben die das erste „Guten Morgen“ überhaupt gehört? Oder nicht? Wenn nicht, dann haben sie vielleicht nicht gemerkt, dass ich jetzt zwei Mal „Guten Morgen“ gesagt habe.

Inzwischen habe ich das Passwort endlich richtig eingegeben. Ich stehe auf, um mir aus der Küche ein Glas zu holen. Auf dem Weg dorthin liegen noch mal gut ein halbes dutzend Büros. Na dann: Guten Morgen!