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Ausbildung und Berufsschule

In letzer Zeit ist es sehr still um mich geworden. Das hat vor allem mit meiner Ausbildung zu tun. Inzwischen befinde ich mich im dritten und letzten Lehrjahr. Und ich habe einiges erlebt. Auf welche Probleme ich dabei gestoßen bin, möchte ich euch jetzt gerne erzählen.

Ich mache meine Ausbildung in einer Firma, in der ich mich sehr wohlfühle. Das liegt vor allem auch daran, dass ich so liebe Kollegen habe, die Arbeitsatmosphäre ist sehr, sehr angenehm. Ohne das hätte ich nicht lange durchgehalten.

Trotzdem gab es zwischendurch immer wieder Momente, in denen ich komplett verzweifelt bin und die Ausbildung ernsthaft abbrechen wollte.

Eines meiner größten Probleme war und ist noch die Berufsschule. Ursprünglich sollte mir die erspart bleiben, aber mein Ausbilder bat mich schließlich, doch hinzugehen.

Ich kann im Moment noch nicht wirklich sagen, ob das die richtige oder die falsche Entscheidung war. Es spricht viel für beides, vielleicht kann ich diese Frage wohl nie wirklich beantworten. Aber von Anfang an. Weiterlesen

Von Marsmenschen und Menschenwürde – Teil IV

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Laut des Referenten habe er persönlich speziell mit der Firma SAP keine guten Erfahrungen gemacht, worauf er jedoch nicht näher eingehen wollte und was natürlich auch nicht heißen soll, dass es sich bei anderen Betrieben, die autistische Menschen im IT Bereich einstellen, zwangsläufig genauso verhält. Denn es gibt ja mittlerweile mehrere Unternehmen, die in diesem Sektor erfolgreich und entsprechend kollegial mit autistischen Menschen zusammen arbeiten. Natürlich steht verständlicherweise auch in diesen Firmen der Wirtschaftsfaktor im Vordergrund, aber er sollte schon sozial vertretbar sein, vor allem, wenn man sich zur Zusammenarbeit mit behinderten Menschen entschließt.

Davon abgesehen gibt es übrigens auch etliche Berufsbilder, bei denen es ebenfalls um spezielle Detailgenauigkeit, oder einer besonderen Form der Präzision geht. Wo überdies keine Teamarbeit erforderlich ist und auch die Einhaltung einer gewissen Rahmenstruktur gewährleistet werden kann. Es sollte daher grundsätzlich im Einzelfall nach tatsächlichen Neigungen und individuellen Fähigkeiten geschaut werden. Denn hierbei kommt oft erstaunliches zutage, wenn man bereit ist, genügend Zeit dafür zu investieren und dabei Stärken orientiert vorzugehen, anstatt permanent nur defizitär zu denken.

Natürlich dürfen die Besonderheiten autistischer Menschen hierbei nicht außer acht gelassen werden. Doch wenn beide Seiten offen für einander sind und man sich mit gegenseitiger Toleranz auf Augenhöhe begegnet, ist es eine lohnende Investition in die Zukunft autistischer Menschen. Und dass es auch einige positive Aspekte gibt, von denen ein Unternehmen durchaus profitieren kann, ist ja eingangs bereits schon bestätigt worden. Weiterlesen

Von Marsmenschen und Menschenwürde – Teil III

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Im Weiteren wurde ein Projekt aus der Schweiz vorgestellt, dass frühverrentete autistische, oder auch psychisch kranke Menschen, zurück ins Arbeitsleben integriert, da man festgestellt hat, dass diese durchaus erwerbsfähig sind, wenn man auf ihre Besonderheiten eingeht. Der Anteil an psychisch kranken Menschen in der Frühverrentung sei unglaublich hoch und man könnte dem durchaus entgegenwirken.

Es gibt dort hierfür mittlerweile spezielle Rehakliniken, wo die Leistungsfähigkeit getestet und die individuellen Stärken erarbeitet werden. Je nach Ergebnis dieser Reha-Wochen oder auch Monate zur beruflichen Wiedereingliederung, wird von dort aus eine direkte entsprechende Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt angestrebt, die auch zumeist erfolgreich verläuft. Im Gegensatz zu einer Unterbringung in einer Werkstatt für Behinderte, deren Anforderungsprofil zumeist auf geistig Behinderte zugeschnitten ist.

In diesem Zusammenhang entstand jedenfalls die Frage im Raum, ob nicht dem zur Folge ein hoher Krankenstand zu erwarten sei. Dieses wurde wie folgt verneint, da angestrebt wird einen adäquaten und bedürfnisgerechten Arbeitsplatz zu finden, der mit Sicherheit lukrativer ist, als die Werkstatt für Behinderte. Wo solche Leute eher krankheitsbedingt ausfallen würden und einen Aufenthalt in der Psychiatrie als Erholung von einer monotonen und unterfordernden Beschäftigung betrachten würden. Denn eine solche Betätigung kann auf Dauer gesehen unzufrieden machen und dem zur Folge auch zu einer psychiatrischen Erkrankung führen. Weiterlesen

Von Marsmenschen und Menschenwürde – Teil II

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Man kann sich wohl vorstellen, dass an dieser Stelle im Publikum, dass hauptsächlich aus Fachleuten aus dem Autismus Bereich bestand, seltsame Blicke getauscht wurden und auch manche hinter vorgehaltener Hand verlegen schmunzelten. Die Beweggründe, warum all diese Dinge für die neuro-typischen Menschen so wichtig sind, konnte indes jedoch niemand der 264 im Saal anwesenden Tagungsgäste erörtern. Doch der Referent hatte eine überraschende Antwort für diese „Phänomen“, um es mit seinen Worten auszudrücken, parat.

Er meinte, bezüglich des Verhaltens am Arbeitsplatz, dass alle, damit nicht im Zusammenhang stehenden Gesprächsinhalte, einem sozial-emotionalen „Nahrungsbedürfnis“ zuzuordnen wären. Dieser Bedarf stehe in der Hierarchie sogar noch vor der Erreichung der Arbeitsleistung. Man will von den Kollegen um jeden Preis gemocht werden und wünscht sich Anerkennung und Bestätigung, die weit über das eigentliche Betätigungsfeld hinausgingen. Doch für eine derartige Bedürfnisbefriedigung würde man schließlich nicht bezahlt, weder vom Betrieb, noch vom Kunden. Sozial-emotionale Unterstützung gehört in die Familie und den Freundeskreis, nicht an den Arbeitsplatz.

Er könnte sich allein schon von daher vorstellen, dass ein Unternehmen in der Tat von einem autistischen Mitarbeiter, für den dieses ganze „soziale Schwafeln“ überflüssig ist, durchaus profitieren könnte. Da bei diesem derartige Bedürfnisse nach emotionaler Nähe am Arbeitsplatz einfach nicht vorhanden seien und er daher rein auf die Arbeit konzentriert sei, sobald er den Betrieb betrete. Weiterlesen

Von Marsmenschen und Menschenwürde – Teil I

Am 21. März 2015 wurde in Köln vom Landschaftsverband Rheinland die folgende Fachtagung zum Thema Autismus und Beruf ausgerichtet: „Von Marsmenschen und Menschenwürde.“
Die gesamte Fachtagung war rundherum als eine gelungene Veranstaltung zu betrachten und auch für mich selbst eine persönliche Bereicherung. Es gab mehrere hoch interessante Fachvorträge. Doch vor allem der Vortrag eines, selbst vom Asperger-Autismus betroffenen Referenten, hat mich in besonderem Maße beeindruckt. Aus persönlichen Gründen werde ich in meinem Tagungsbericht allerdings darauf verzichten, die dortigen Aussagen den jeweiligen Referenten genau zuzuordnen und diese auch nicht namentlich zu benennen.

Der zuvor besagte Vortragende ist jedenfalls in der Unternehmensberatung tätig und hat daher viel Erfahrung im Umgang mit Menschen. Die dortigen Beobachtungen bei den nicht autistischen Mitarbeitern und Führungskräften, also den sogenannten neuro-typischen Menschen, nahm er zum Anlass den „Spieß“ einmal herum zu drehen. Denn es stört ihn vehement, dass die neuro-typischen Mitmenschen immer von oben herab auf uns als hilfs- und behandlungsbedürftige herunter blicken, anstatt uns auf Augenhöhe respektvoll zu begegnen.

Es sind nämlich nicht immer wir Autisten, die auffällig sind und Defizite im Sozialbereich aufweisen, sondern aus autistischer Sicht kann das unser Gegenüber für uns ebenso sein. Doch weil das defizitäre Verhalten immer nur uns Betroffenen angelastet wird, kommen autistische Menschen zumeist nicht von selbst darauf, auch mal die Perspektive umzukehren und das Verhalten der neuro-typischen Mitbürger entsprechend zu analysieren und vor allem auch mal in Frage zu stellen. Denn vieles was diese Menschen tun, wirkt für uns in Wirklichkeit oft überaus befremdlich. Nur man hat sich diese Tatsache bis dato selbst nie eingestanden, weil uns seit je her vorgegaukelt wird, es sei ja alles so normal, was allgemein üblich ist und uns von den meisten Menschen vorgelebt wird. Weiterlesen