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Die autistische Welt der Beziehungen und Freundschaften

Die zweifellose Erkennung von zwischenmenschlicher Sympathie steht für Menschen wie uns außer Frage permanent unter hoch erschwerten Bedingungen, im Gegensatz zu nicht autistischen Menschen. Denn uns fehlt hier ja bekanntlich zum einen die Intuition, Mimik und Gestik entsprechend zu erfassen, und zum anderen ist es immer wiederkehrend eine schwierige Herausforderung, verbale Äußerungen der richtigen Interpretation zuzuordnen. Das heißt, selbst jegliche Signale der Sympathie vom Gegenüber werden von uns oft sehr spät, oder mitunter auch überhaupt gar nicht erst wahrgenommen.

Ein gutes Beispiel sei hier die Episode, wie mein Mann und ich uns im Jahre 1995 kennen gelernt haben. Eine von ihm und mir befreundete Familie, die der Ansicht war, dass wir sehr gut für eine gemeinsame Beziehung geeignet seien, hatten uns beide über mehrere Wochen unter dem Vorwand eines Kartenabends in ihr Zuhause eingeladen. Karten gespielt haben wir dort tatsächlich, obwohl sich meine Begeisterung dafür doch arg in Grenzen hielt. Aber es war eben auch eine Zusammenkunft, die ich genießen konnte, weil man mich in diesem Freundeskreis vorbehaltlos so akzeptiert hat, wie ich war, und das ist bis heute unverändert auch so geblieben.
Doch es hatte seinerzeit ganze sechs Wochen gedauert, bis ich den wahren Hintergrund dieses speziell so organisierten Treffens in vollem Umfang erfasst hatte. Es brauchte tatsächlich so lange, bis ich mir im klaren darüber war, dass es tatsächlich jemanden geben würde, der ein ernsthaftes Interesse an einer dauerhaften Partnerschaft mit mir anstrebt. Wie gut, dass unsere gemeinsamen Freunde damals so beharrlich auf die gleichzeitigen Einladungen bestanden. Sie wurden übrigens später unsere Trauzeugen.

Inzwischen leben wir jetzt seit zwanzig Jahren in einer Beziehung und sind aber erst seit 2011 verheiratet, da auch diese Entscheidung eine immense Herausforderung für mich darstellte. Doch unabhängig davon verging ebenfalls etliches an Zeit, bis ich ein einigermaßen stabiles Sicherheitsempfinden dafür entwickeln konnte, dass seine Sympathie für mich in allen Lebenslagen und Veränderungen, die das Leben nun mal mit sich bringt, Bestand haben würde. Daher gab es also immer wieder Situationen, in die ich das Ende unserer Partnerschaft interpretierte, obwohl mein Mann nicht im entferntesten an jegliche Absichten dachte. Weiterlesen

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