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Herzlichen Glückwunsch zum Ausbildungsplatz?

Es ist soweit, in den kommenden Tagen werde ich meinen Ausbildungsvertrag unterschreiben. Eigentlich ein Grund zur Freude, oder? Ich muss nicht zur Berufsschule, darf mit reduzierter Stundenanzahl arbeiten und habe nette, verständnisvolle Kollegen. Aber irgendwie kann ich mich doch nicht richtig freuen. Im Gegenteil, ich habe panische Angst zu versagen.

Seit Jahren bin ich auf Arbeitssuche. Nach meinem Schulabschluss war ich erst mal total fertig. Nur mit großen Unterbrechungen habe ich Praktika machen können, in ganz verschiedenen Bereichen. Meine Eltern haben sehr darunter gelitten. Mein Vater wünschte sich, dass ich doch einfach endlich nur ein „wertschaffender Teil dieser Gesellschaft“ sollte. Meiner Mutter ging es bestimmt ähnlich. Und meiner Verwandtschaft ging alles nicht schnell genug: Ich war zu faul, nicht engagiert genug, müsste doch dieses und jenes probieren.

Für mich war es aber auch nicht leicht. In jedem Praktikum musste ich feststellen, dass etwas nicht stimmte. Irgendwie passte das alles nicht, funktionierte nicht. Und mir war klar, wenn ich das noch länger machen würde, würde ich das nicht lange durchhalten.
Und jedes Mal, wenn ich ein Praktikum beendete, hatte ich das Gefühl, versagt zu haben. Das war jedes Mal ein harter Schlag für mein sowieso schon geringes Selbstwertgefühl.
Und so stand ich bei jedem neuen Praktikum unter großen Druck. Dieses Mal musste es einfach klappen, ich wollte die Erwartungen meiner Eltern nicht wieder enttäuschen.
Aber innerlich hatte ich eigentlich die Hoffnung bereits aufgeben, mich einmal selbst finanzieren zu können. Nicht einmal ein Studium oder eine 40-Stunden-Woche schaffte ich. Beides hatte ich vergeblich versucht und war beide Male psychisch zusammengebrochen. Und das trotz Begleitung und Hilfsangeboten. Weiterlesen

Hallo und bis morgen!

Ich mache derzeit ein Praktikum und habe immer noch große Probleme, mir die ganzen Gesichter und Namen zu merken, obwohl die Firma eigentlich recht übersichtlich ist und ich schon mehrere Wochen dort bin.
Zum Glück setzt das dort niemand wirklich voraus, aber ich komme doch immer wieder in Situationen, wo ich eigentlich Kollegen wieder erkennen müsste.
Was dabei für mich besonders schwierig ist: Unsere Firma sitzt in einem Gebäude, in dem mehrere Firmen ansässig sind. Wir teilen uns also das Treppenhaus mit unzähligen anderen Firmen. Wenn mir dort Leute begegnen, kann ich meist nur raten, ob sie Kollegen sind oder nicht.

So kam es zu folgender Situation:

Als ich nach Feierabend die Treppe runterlief, kam mir jemand von unten entgegen. Ich war mir nicht sicher: war das ein Kollege oder doch nicht? Wie sollte ich reagieren? Einem Fremden konnte ich nicht mit „Tschüss“ begegnen, einem Kollegen in dieser Situation nicht mit „Hallo“. Also wartete ich auf eine Reaktion meines Gegenübers ab und bemühte mich freundlich zu lächeln (sah bestimmt ziemlich bescheuert aus). Er sagte etwas, aber ich verstand es nicht wirklich.
Und während ich immer und immer wieder das Gehörte zu analysieren versuchte, war ich auch schon fast an ihm vorbei. Aus dem Augenwinkel nuschelte ich noch etwas Richtung „Tschüss“, keine Ahnung ob er das noch hörte bzw. verstand.

Als ich das Gebäude verließ, kam ich zu dem Schluss, dass er „bis dann“ gesagt hatte. Diesen Satz hatte ich nicht erwartet und dementsprechend Schwierigkeiten, ihn zu verstehen. Manchmal hab ich das Gefühl, der Teil meines Gehirn, der fürs Hörverstehen zuständig ist, nimmt sich regelmäßig eine Auszeit. Gerade kurze Sätze kann ich meist nur dann verstehen, wenn ich mit dem Gesagten rechne. Kein Wunder, dass ich mich bei Fremdsprachen besonders mit dem Hörverstehen schwer tue.

Ich hab das Gefühl, mich total blamiert zu haben. Eigentlich hätte ich den Kollegen gerne am nächsten Tag darauf angesprochen. Aber wie soll das gehen? Ich würde ihn ja nicht wieder erkennen.

Tarnungsversuche

Für den erfolgreichen Abschluss des Studiums benötigte ich noch ein Praktikum. Es erwies sich schon als schwierig, überhaupt einen Praktikumsplatz zu erhalten, doch schließlich hatte ich Erfolg und bekam eine Zusage. Zu meiner großen Verblüffung und Erleichterung bekam ich die Zusage lediglich aufgrund meiner Bewerbungsunterlagen, ohne ein Vorstellungsgespräch absolvieren zu müssen. Vorstellungsgespräche waren schon immer meine größte Hürde, da ich mich nicht gut „verkaufen“ kann, und zuvor hatte ich nach zwei Vorstellungsgesprächen jeweils eine Absage bekommen.

Nun musste also alles klappen, und der Eindruck, den man am ersten Arbeitstag von mir haben würde, würde entscheidend sein. Würde man mich nämlich rausschmeißen, wäre mein Abschluss in Gefahr, da der zeitliche Rahmen, in dem ich dieses Praktikum noch ableisten konnte, sehr begrenzt war. Zudem war die Praktikumsstelle schließlich eine potenzielle spätere Arbeitsstelle, und wenn ich mich gut anstellte, hatte ich dort vielleicht schon einen Fuß in der Tür und konnte ein wenig erfolgsversprechendes Vorstellungsgespräch umgehen. Weiterlesen