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Ausbildung und Berufsschule

In letzer Zeit ist es sehr still um mich geworden. Das hat vor allem mit meiner Ausbildung zu tun. Inzwischen befinde ich mich im dritten und letzten Lehrjahr. Und ich habe einiges erlebt. Auf welche Probleme ich dabei gestoßen bin, möchte ich euch jetzt gerne erzählen.

Ich mache meine Ausbildung in einer Firma, in der ich mich sehr wohlfühle. Das liegt vor allem auch daran, dass ich so liebe Kollegen habe, die Arbeitsatmosphäre ist sehr, sehr angenehm. Ohne das hätte ich nicht lange durchgehalten.

Trotzdem gab es zwischendurch immer wieder Momente, in denen ich komplett verzweifelt bin und die Ausbildung ernsthaft abbrechen wollte.

Eines meiner größten Probleme war und ist noch die Berufsschule. Ursprünglich sollte mir die erspart bleiben, aber mein Ausbilder bat mich schließlich, doch hinzugehen.

Ich kann im Moment noch nicht wirklich sagen, ob das die richtige oder die falsche Entscheidung war. Es spricht viel für beides, vielleicht kann ich diese Frage wohl nie wirklich beantworten. Aber von Anfang an. Weiterlesen

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Elementare Strukturen und Routinen im Arbeits- und Privatleben

Wohl fast jeder autistische Mensch kennt die Schwierigkeiten, wenn plötzlich auftretende Ereignisse die gewohnten Strukturen durcheinander bringen und zu welch gravierenden Problemen das mitunter führen kann. Doch es gibt auch viele Möglichkeiten, diesbezüglich für sich selbst zu sorgen, um den Lebensalltag bestmöglich bestehen zu können. So zum Beispiel auch am Arbeitsplatz und im häuslichen Umfeld. Doch im privaten Bereich lässt sich das natürlich wesentlich einfacher realisieren, als in der Arbeitswelt. Aber gerade dort ist es elementar, um seinen beruflichen Alltag bestmöglich bewerkstelligen zu können und sich eine gewohnt strukturierte Umgebung zu schaffen, so weit das außerhalb des eigenen Zuhauses überhaupt möglich ist.

Da ich beides erlebt habe, also zum einen, eine erfüllende, berufliche Tätigkeit mit zum Teil selbst errichteten Strukturen, sowie zum anderen, das genau gegensätzliche erfahren musste, weiß ich, welch hohe Priorität dahinter steckt. Unter anderem hatten die plötzlich fehlenden gewohnten Abläufe sogar zur Beendigung meiner Arbeitsfähigkeit geführt. Im Weiteren ist mir in diesem Zusammenhang ebenfalls bewusst geworden, wie viel von der Toleranz und dem Entgegenkommen der Kollegen tatsächlich abhängt, ob ein Arbeitsverhältnis mit Menschen wie uns gut funktioniert.

Eine hervorragende Chance kann sich diesbezüglich ergeben, wenn plötzlich im Kollegenkreis festgestellt wird, dass wir unter Einhaltung gewisser Rahmenbedingungen tatsächlich die erwartete Leistung erbringen können. Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen, obwohl zu dieser Zeit meine Autismus-Diagnose noch lange nicht bekannt war.
Bei einer späteren Reflektion mit meinem damaligen Chef, der heute pensioniert ist, kann ich mich noch genau an seine folgende Worte erinnern: „Wenn ich bestimmte Dinge, wie Telefongespräche und Kundenkontakte von dir fern hielt, konntest du gut und konzentriert arbeiten. Das hatte ich irgendwann raus. Ich habe von Anfang an gemerkt, dass du irgendwie anders warst, aber ich wusste intuitiv damit umzugehen, auch wenn es in manchen Situationen erst eine Weile gedauert hat, bis ich dahinter kam, was du brauchtest.“ Weiterlesen

Gedankenkarussell Handwerker

Da sitze ich also, total angespannt und warte. Warte darauf, dass es an der Tür klingelt. Wobei warten nicht der richtige Begriff ist. Ich fürchte mich davor, dass es jetzt jederzeit an der Tür klingeln kann. Und ich fürchte mich auch davor, dass es nicht klingelt, weil das mein Warten nur noch verlängert.

Wie viele werden kommen? Einer, zwei oder drei? Werde ich mit ihnen klar kommen? Nehmen sie mein Problem ernst? Finden sie die Ursache für das Problem? Und vor allem: Können sie es schnell beheben? Oder werde ich jetzt wieder über eine Woche ohne Warmwasser sein? Oder finden sie gar nichts und ich bin mit meiner Angst wieder allein?

Jede Minute fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Leider tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass Handwerker pünktlich kommen, gegen 0. Nicht „um 15 Uhr“, sondern „ab 15 Uhr“. So etwas macht mich wahnsinnig!

Irgendwann wird es also gleich klingeln. Und ich muss einen oder mehrere völlig fremde Leute in meine Wohnung, meinen Schutzraum lassen. Und das dann aushalten. Wie lange, ich weiß es nicht.

Wie lange soll ich warten, bevor ich die Firma anrufe und nachfrage, wo die Handwerker bleiben? 15 Minuten? 30 Minuten? Schaffe ich es in meinem Zustand überhaupt zu telefonieren? Oder überhaupt mit sinnvoll mit den Handwerkern zu kommunizieren?

Wenn die Handwerker weg sind, wie geht es mir dann? Bin ich am Boden zerstört? Schaffe ich es noch, eine Wäsche anzusetzen? Kann ich mich davon erholen? Morgen muss ich wieder zur Arbeit und fit sein. Aber das Thema Arbeit ist noch einmal ein ganzes Gedankenkarussell für sich.

Und das Allerschlimmste ist: Wenn sie heute nicht weiterkommen mit dem Problem, werden sie wiederkommen. Und dann geht das alles von vorne los.

Laternensingekinder

Es ist wieder soweit: Kinder ziehen mit Laternen um die Häuser! Die letzten beiden Jahre musste ich mich nicht damit auseinandersetzen, denn ich war am kritischen Abend zufällig nicht zu Hause.

Und ja, es ist ein kritischer Abend. Ich schrecke bei jedem Klingeln zusammen, denn ich erwarte ja keinen Besuch, und es lässt sich auch kein Muster erkennen, das Klingeln erfolgt in zufälligen Abständen. Ich erwarte jede Sekunde ein Klingeln, was mich ziemlich nervös macht, und werde trotz angespannter Erwartungshaltung jedes Mal erneut erschreckt.

Wenn ich keinen Besuch oder kein Paket erwarte, mache ich die Tür eigentlich grundsätzlich nicht auf. Meine Wohnung ist mein Rückzugsort, und hier möchte ich völlig ungestört sein, hier soll die komplette Außenwelt dort bleiben, wo sie hingehört: Draußen! Weiterlesen

Therapieantrag – ein vorläufiger Erfahrungsbericht (Teil 4)

Teil 1, Teil 2, Teil 3

Herbst 2014. Nach nun ca. einem Jahr, am 25. September bekam ich nach mehrmaligem Hinterhertelefonieren endlich die Nachricht vom Amt, dass man eine Kostenübernahme der Therapie bewilligt. In dem Schreiben war von „eine Stunde Einzeltherapie sowie zwei Stunden Gruppentherapie“ die Rede, interessanterweise ohne Zeitangaben. Ob das jetzt nun pro Woche, pro Monat oder sonstwie gilt, entzieht sich meiner Kenntnis, ist aber glücklicherweise nicht mein Problem sondern das Problem vom ATZ, das direkt mit dem Kostenträger abrechnen wird. Beim ATZ zog sich alles noch ein wenig hin, aber nun, am 31. Oktober, hatte ich nun endlich meinen hart erkämpften, ersten Therapietermin.

Es scheint allerdings so zu sein, als ob ironischerweise die damals freche Argumentation des Amtes inzwischen tatsächlich der Realität entspricht: Ich bin nun anscheinend für die Therapie im ATZ zu belastet. Weiterlesen