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Elementare Strukturen und Routinen im Arbeits- und Privatleben

Wohl fast jeder autistische Mensch kennt die Schwierigkeiten, wenn plötzlich auftretende Ereignisse die gewohnten Strukturen durcheinander bringen und zu welch gravierenden Problemen das mitunter führen kann. Doch es gibt auch viele Möglichkeiten, diesbezüglich für sich selbst zu sorgen, um den Lebensalltag bestmöglich bestehen zu können. So zum Beispiel auch am Arbeitsplatz und im häuslichen Umfeld. Doch im privaten Bereich lässt sich das natürlich wesentlich einfacher realisieren, als in der Arbeitswelt. Aber gerade dort ist es elementar, um seinen beruflichen Alltag bestmöglich bewerkstelligen zu können und sich eine gewohnt strukturierte Umgebung zu schaffen, so weit das außerhalb des eigenen Zuhauses überhaupt möglich ist.

Da ich beides erlebt habe, also zum einen, eine erfüllende, berufliche Tätigkeit mit zum Teil selbst errichteten Strukturen, sowie zum anderen, das genau gegensätzliche erfahren musste, weiß ich, welch hohe Priorität dahinter steckt. Unter anderem hatten die plötzlich fehlenden gewohnten Abläufe sogar zur Beendigung meiner Arbeitsfähigkeit geführt. Im Weiteren ist mir in diesem Zusammenhang ebenfalls bewusst geworden, wie viel von der Toleranz und dem Entgegenkommen der Kollegen tatsächlich abhängt, ob ein Arbeitsverhältnis mit Menschen wie uns gut funktioniert.

Eine hervorragende Chance kann sich diesbezüglich ergeben, wenn plötzlich im Kollegenkreis festgestellt wird, dass wir unter Einhaltung gewisser Rahmenbedingungen tatsächlich die erwartete Leistung erbringen können. Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen, obwohl zu dieser Zeit meine Autismus-Diagnose noch lange nicht bekannt war.
Bei einer späteren Reflektion mit meinem damaligen Chef, der heute pensioniert ist, kann ich mich noch genau an seine folgende Worte erinnern: „Wenn ich bestimmte Dinge, wie Telefongespräche und Kundenkontakte von dir fern hielt, konntest du gut und konzentriert arbeiten. Das hatte ich irgendwann raus. Ich habe von Anfang an gemerkt, dass du irgendwie anders warst, aber ich wusste intuitiv damit umzugehen, auch wenn es in manchen Situationen erst eine Weile gedauert hat, bis ich dahinter kam, was du brauchtest.“ Weiterlesen

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Von Marsmenschen und Menschenwürde – Teil III

Link zu Teil I
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Im Weiteren wurde ein Projekt aus der Schweiz vorgestellt, dass frühverrentete autistische, oder auch psychisch kranke Menschen, zurück ins Arbeitsleben integriert, da man festgestellt hat, dass diese durchaus erwerbsfähig sind, wenn man auf ihre Besonderheiten eingeht. Der Anteil an psychisch kranken Menschen in der Frühverrentung sei unglaublich hoch und man könnte dem durchaus entgegenwirken.

Es gibt dort hierfür mittlerweile spezielle Rehakliniken, wo die Leistungsfähigkeit getestet und die individuellen Stärken erarbeitet werden. Je nach Ergebnis dieser Reha-Wochen oder auch Monate zur beruflichen Wiedereingliederung, wird von dort aus eine direkte entsprechende Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt angestrebt, die auch zumeist erfolgreich verläuft. Im Gegensatz zu einer Unterbringung in einer Werkstatt für Behinderte, deren Anforderungsprofil zumeist auf geistig Behinderte zugeschnitten ist.

In diesem Zusammenhang entstand jedenfalls die Frage im Raum, ob nicht dem zur Folge ein hoher Krankenstand zu erwarten sei. Dieses wurde wie folgt verneint, da angestrebt wird einen adäquaten und bedürfnisgerechten Arbeitsplatz zu finden, der mit Sicherheit lukrativer ist, als die Werkstatt für Behinderte. Wo solche Leute eher krankheitsbedingt ausfallen würden und einen Aufenthalt in der Psychiatrie als Erholung von einer monotonen und unterfordernden Beschäftigung betrachten würden. Denn eine solche Betätigung kann auf Dauer gesehen unzufrieden machen und dem zur Folge auch zu einer psychiatrischen Erkrankung führen. Weiterlesen