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Zahnarztblues oder wie man sich selber eine Grube gräbt und hineinfällt

Meine alte Zahnärztin ist frecherweise in Rente gegangen. Also musste ich mich für die diesjährige Kontrolle umorientieren.

Ich bekam eine Zahnärztin empfohlen, zu welcher auch andere autistische Klienten gehen. Da ich regelmäßig zur Kontrolle ging und meine alte Zahnärztin mir versicherte, dass an meinen Zähnen lange Zeit nichts zu machen wäre, nahm ich an, dass man mir kurz in den Mund schaut, ich meinen Stempel bekomme und die Sache erledigt ist. Doch weit gefehlt. Vernünftigerweise wurde mein Kiefer geröntgt, etwas, das meine alte Zahnärztin nie gemacht hatte (Hatte sie überhaupt ein Röntgengerät?!).

Ich saß im Behandlungsraum, ahnte nichts Böses, als mir die Zahnärztin das Ergebnis mitteilte: Drei Zähne seien von innen kaputt, einer wahrscheinlich sehr heftig, deswegen hätte ich ja sicher auch Schmerzen (Welche Schmerzen? Nein, habe ich nicht!). Sofort wollte sie mehrere Termine für die Behandlung ausmachen, während ich noch um Fassung rang und komplett überrascht und schockiert war. Ich fragte sie nach einer Behandlung an nur einem Termin unter Vollnarkose, doch sie deklarierte dies generell als nicht möglich.
Ich hätte ja schon Füllungen, und die hätte ich schließlich ja auch irgendwie so überstanden. Ich solle dringend jetzt Termine mit ihr ausmachen, das würde sonst ja immer schlimmer.

Da ich in letzter Zeit durch verschiedene Dinge sehr mit den Nerven am Ende bin, konnte ich auch dort nicht richtig reagieren, und sah dann sehr schnell zu, dass ich mich aus der Situation entfernen konnte, peinlicherweise war ich schon am Heulen aus spontaner Überforderung. Ich ließ mich noch zu einem Termin zur professionellen Zahnreinigung motivieren, und flüchtete.

Zur Zahnreinigung nahm ich dann eine Mitarbeiterin vom ambulant betreuten Wohnen mit, da ich zu diesem Termin die Optionen der weiteren Behandlung durchsprechen wollte. Die Zahnärztin war dann sofort total kooperativ, und verwies mich ohne weiteres Nachfragen sogleich an eine Kollegin, die Eingriffe unter Vollnarkose oder Lachgas durchführt.
Ich stellte mich also bei der Kollegin vor (nette Anekdote: In deren Anamnesebogen, den man als Neupatient ja bekommt wollte sie tatsächlich Facebookdaten von ihren Patienten wissen und die Einwilligung, dass man Newsletter bekommt, und am besten sollte man bitte die Facebook Seite der Praxis liken!).
Es wurde besprochen, was gemacht werden muss, und kurze Zeit später erhielt ich zwei Kostenvoranschläge (einmal mit Lachgas, einmal mit Vollnarkose), die nicht ohne waren.
Ich informierte mich über die üblichen Gebühren bei Kunststofffüllungen und bemerkte, dass unabhängig von den hohen Kosten für Lachgas oder Vollnarkose, diese Zahnärztin nicht weniger als die höchsten Gebühren, die sie verlangen darf, verlangte. Von meiner alten Zahnärztin war ich Zuzahlungen von ca. 20-30 Euro gewohnt, diese hier veranschlagte pro Zahn über 100 Euro. Ich hörte mich also bei verschiedenen Bekannten um, und informierte mich über die Gebührenordnung der Zahnärzte. Erkenntnisse, die ich gewann: ich fand zwei Zahnärzte die für die selbe Leistung (ohne Narkose und Lachgas) deutlich günstiger waren, und die Zahnärztin, bei der ich ursprünglich war, lag mit ihren Preisen voll im fairen Bereich.

So überlegte ich hin und her, bis die Mitarbeiterin vom ambulant betreuten Wohnen vorschlug, ich könne doch unter ärztlicher Absprache vielleicht ein Beruhigungsmittel vor dem Eingriff nehmen, das hätte ein anderer Klient auch schon gemacht, und das wäre dann ja kostengünstiger. Ich fand das eine gute Idee, und machte sogleich einen Termin bei der ursprünglichen Zahnärztin, um das genaue Vorgehen zu besprechen und die Behandlung bei ihr durchzuführen.

Zu diesem Termin erschien ich mit der Mitarbeiterin vom ambulant betreuten Wohnen. Die Zahnärztin lehnte es allerdings ab, mich unter Beruhigungsmitteln zu behandeln, egal ob ärztlich abgesprochen oder nicht, da sie im Zweifelsfalle dafür verantwortlich gemacht werden könne, wenn etwas passiert. Das verstand ich. Ich informierte mich bei ihr noch genauer darüber, was gemacht werden muss, und war dann tatsächlich so weit zu sagen, ok, ich mache die Behandlung bei Ihnen auch ohne Narkose, Lachgas oder ähnliches. Ich war schon so erschöpft von der ganzen Zahnarztsuche und tatsächlich dazu bereit, das zu versuchen, denn man würde ja mit dem „harmlosesten“ Zahn anfangen, und ich traute mir dann zu, das auszutesten. Wäre es schlimm, könnte ich mir für die anderen Zähne immer noch was überlegen.

Doch ich hatte die Rechnung ohne die Zahnärztin gemacht, die sich nun ebenso vehement weigerte, mich zu behandeln, wie sie am ersten Termin wollte, DASS ich mich gefälligst von ihr behandeln ließe! Als Begründung nannte sie mein „Schmerzgedächtnis“(???), und dass sie das bei solchen (was für „solche“?!) Patienten nicht machen würde.
Ich müsse erstmal von meinem Schmerzgedächtnis befreit werden. Ich habe allerdings keine besonders schmerzhaften Erfahrungen beim Zahnarzt gemacht, ich bin momentan nur generell so überlastet, dass ich vor dem Eingriff Angst habe, und die ganze Situation für mich extrem stressig ist, zumal auch eine Wurzelbehandlung im Raum steht, was ich noch nie hatte.
Ich habe mich aus Überlastung und Verzweiflung zu sehr angestellt, ja, und Vollnarkose wäre schön, ja, aber ich kann dafür nunmal nicht mehr Geld ausgeben, als ich überhaupt im Monat zur Verfügung habe, so dass ich mich dann wohl dem Mist stellen muss. Jetzt lässt man mich aber nicht.
Ich versuchte noch mehrfach, ihr zu erklären, dass ich früher nie Angst vor dem Zahnarzt hatte, und dass es erst in letzter Zeit so ist, und dass ich keine negativen Erfahrungen hatte, aber sie blieb dabei und erklärte mir ihr „Schmerzgedächtnis“ wieder und wieder. Ich sollte also bitte zum Kollegen gehen, der Hypnose anbietet. Ich fragte sie dann, warum sie ja beim ersten Mal als ich da war dann wollte, dass ich die Behandlung bei ihr mache, da sagte sie, da hätte sie mich ja noch nicht gekannt (Tut sie das jetzt? Äh…nein, sie lässt mich ja nicht erklären und drückt mir Sachen auf, die nicht korrekt sind?). Ich fragte sie dann direkt, ob es an meiner Asperger-Diagnose liegt. Da sagte sie „Nein! Sie hören mir nicht zu! Es ist wegen Ihres Schmerzgedächtnisses!“ Argh. Wie genau diese Ärztin zu ihrer Theorie mit meinem Schmerzgedächtnis gekommen ist, und warum sie glaubt, mich ja jetzt besser zu „kennen“, und was dann ein „solcher“ Patient wie ich ist, wenn es nichts mit dem Autismus zu tun hat, weswegen sie sich jetzt querstellt, entzieht sich weiterhin meiner Kenntnis und wurde mir nicht erklärt.

Meine ambulant betreuende Person war relativ still in dieser Diskussion, und meinte hinterher sinngemäß, dass ich selber schuld sei, da ich ja am Anfang unbedingt die Vollnarkose wollte, und die Zahnärztin jetzt ihre Einschätzung darauf baut oder so. Und so hab ich mir mit meiner blöden Überforderung und Angst selber die Grube gegraben. Einmal abgestempelt als… irgendwas… ist es offensichtlich unmöglich, das Bild, dass diese Zahnärztin sich von mir zusammengebastelt hat, in irgendeiner Form zu einem angemessenerem Bild zu verändern.
Was ich mich bei der ganzen Geschichte wieder frage ist auch: Was habe ich nur an mir, dass ich so abgelehnt werde? Warum ist bei mir alles so kompliziert? Warum kann ich es nicht besser machen?!

Bei dem Kollegen mit der Hypnose würde ich insgesamt übrigens mehr bezahlen als wenn ich das mit Lachgas bei der geschäftstüchtigen Konkurrenz machen würde, und auch sein Einzelpreis für die einzelnen Zähne wäre beinahe so hoch, so dass der auch ausscheidet. Tja. Und jetzt stehe ich wieder da. Und habe keine Ahnung. Die Zahnärztin, die mich ablehnt, schätze ich als fachlich kompetent und preislich fair ein, so dass sie meine erste Wahl wäre. Jetzt muss ich wieder jemand Neues suchen von dem ich keine Ahnung habe, wie kompetent er oder sie ist. Wie war das nochmal mit meiner Überlastung? Richtig.